Roßmeisel und Hebbes, Kabaret und Kome Di vom feinsten.
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Rheinau-Rheinbischofsheim (enh) Als wahre Wortkünstler, die sich einen Namen über Rheinau hinaus gemacht haben, erwiesen sich Hebbes und Roßmeisel bei ihrem Benefiz-Auftritt am vergangenen Freitagabend im evangelischen Gemeindehaus in Rheinbischofsheim. Barbara Helfer, als Vorsitzende des Kirchengemeinderates freute sich über den regen Besuch, da der Erlös der Veranstaltung der Renovierung des Pfarrhauses zu Gute kommt. Hebbes (Hartmut Reichmann) und Roßmeisel (Robert Reifschneider) fühlen sich mit der Kirchengemeinde verbunden. Ursprünglich wollten beide eine Malefiz-Veranstaltung für das neue Gymnasium machen, da dies noch sehr unfertig aussieht. Nicht einmal die Böden sind fertig und für das Kunstwerk eines einheimischen Künstlers aus Holland der in Berlin wohnt sind gerade noch 25.000 Euro übrig. Von dem Brunnen in Freistett ist auch noch nicht allzu viel zu sehen, da dieser nicht unterhalb sondern ober(le)-halb des Rathauses liegt. Doch die Kirchengemeinde scheint das Geld notwendiger zu haben, da ja aufgrund der weithin sichtbaren Beleuchtung im Glockenstuhl der Kirchturm schon vermietet werden musste. Roßmeisel lies auf seine unvergleichliche Art ein Jahr seines Lebens Revue passieren. Mit Ironie und Wortspielereien verging dieses wie im Flug. Angefangen von Silvester, an dem das Wassertrinken in den Vordergrund gerückt ist, ließ er sich auch über die Frauen aus. Diese wundern sich immer, was die Männer alles vergessen können und wünschen sich, als Mann auf die Welt zu kommen. Einen Rat hatte er jedoch für die Männer parat, denn schließlich können sie den vergessenen Blumenstrauß zum Valentinstag durch einen schönen Adventskranz wieder wettmachen. Da man jetzt schon an Fastnacht die Rassendiskriminierung meiden muß, heißt der bekannte Karnevalist jetzt Ernst Farbiger und nicht mehr Ernst Neger. Für die Asylbewerber gibt es seit Neuestem ein heiteres Länderraten. Denn wer weiß wie sein Heimatland heißt, bekommt bis zu 20.000 Euro vom Staat für die Heimreise, denn das Preisgeld sei immer noch billiger als die jährliche staatliche Unterstützung bei uns. Probleme gäbe es jedoch immer noch bei einer Abschiebung in die Krisenregionen Österreich und Holland. Nicht ausgelassen wurde der traditionelle Muttertag, bei dem man statt eines Blumenstraußes die Pflanzenwelt im Fernsehen ansah. Die Vatertagswanderung mit Weizenbier und Marillenschnaps endete schließlich mit den verschluckten Kontaktlinsen und einem Muskelkater im Kopf. Das im Sommer angeschaffte Nachtsichtgerät zur Beobachtung der Nachbarn erwies sich als Fehlinvestition, da die Nachbarn seit Neuestem das Licht im Schlafzimmer brennen lassen. Das Herbstwetter lies sich nur mit Fitness-Training ertragen, doch auch da gab es viele schmunzelhafte Episoden aus dem Fitness-Center. Nach den Erfahrungen der vergangenen Silvesterfeier wird Roßmeisel ein Regenrückhaltebecken im Garten anlegen, um den Durst nach stillem Wasser befriedigen zu können. Und was das kommende Jahr angeht, wünscht er sich alles ein bisschen schlechter zu machen. Denn wenn nur die Hälfte davon in Erfüllung geht, kann er einen Erfolg vorweisen. Sein neuer Name Roßmeisel geht übrigens auf einen Badeurlaub zurück, bei dem man dem Publikum das Synchronschwimmen vorführte und sich an einen bekannten Schwimmer gleichen Namens erinnerte. Hebbes stand in seinen Wortspielereinen, seinem Witz und seiner Ironie seinem Vorreder in Nichts nach. Das Motto „Das sagt einer etwas, man hört es, man versteht es nicht, aber es macht einem nichts aus“ fand sich in seinen Wortspielereien immer wieder. Eine Redensart dieses Genres ist „Bisch du au do“. Wenn man sich vorstellt, sein direktes Gegenüber so anzusprechen, hat man Glück, wenn dieser die Frage bejaht. Wenn die Frage verneint wird kann man nur sagen „Ich habe dich verwechselt“ oder „Sag ein Gruß, wenn ich dich wieder einmal treffe“. Ein typischer Satz dieser Art sei auch „Muss des sinn?“. Im Zusammenhang mit einem Autostau muss man dann nur die 937 Autos vor einem überspringen, um weiterfahren zu können. Die Frauen sagen auf die Bemerkung des Mannes, dass man noch kurz zum Stammtisch geht ein „Muss des sinn?“. Bei manchen Strickabend der Frauen wird noch mehr erzählt als am Stammtisch, aber wer hört zu? Ein Akkademikertreffer sei im Vergleich zu einem Stammtischgespräch ein Dreck. Die Gespräche sind hochtrabend und unvergleichlich. Heutzutage gibt es keine Sendung im Radio oder Fernsehen ohne Rätsel. So wurde gefragt, um welche französische Stadt es sich bei dem Lied handelt „Ganz Paris träumt von der Liebe“. Ob man noch lange an den Stammtisch gehen kann ist jedoch fraglich, denn heute gibt es alles online. Nach dem online-banking wird wohl auch bald das online-trinking kommen mit dem Bierglas vor dem Computer. Das „weisch was ich mein“ bekommt eine besondere Bedeutung, wenn die Behauptung aufgestellt wird, der Bischemer Ortsvorsteher sei kein Rainer Welsche sondern reiner Zufall. Ober in Freistett hätte man statt der Fischtreppe eine Tonleiter gebaut. Die Serie ließe sich fortsetzen wie wenn der Oberle am Freistetter Weihnachtsmarkt als Nikolaus verkleidet dem Osterhasen die Eier stihlt. Auf die Frage „Weisch was ich mein“ darf man nur „Ja“ sagen, denn ein „Nein“ würde das Spiel fortsetzen. In der neuen Gesellschaft werden viele Dinge einfach an den Straßenrand geworfen. Doch zuhause hält man doch einiges zusammen. Manches landet dann auch im Glückshafen der nächsten Veranstaltung und es gibt Wetten in den Familien, wessen Spende als erste wieder im eigenen Haushalt landet. Das Sparen ist heutzutage in aller Mund. Doch während der Vater ein großes Auto fährt muss das Kind mit einem halben Fahrrad fahren. Um zu sparen reicht auch ein schnurloses Telefon, denn bei einem Dauergespräch wird hier zumindestens irgendwann der Akku leer werden. Heute wird auch beim Skifahren gespart. Statt zwei Skier mit zwei Stücken benutzt man heute nur noch ein Brett mit zwei Bindungen, das zudem kürzer ist. Der spontane Applaus des Publikums während der Veranstaltung zeugte davon, dass die beiden Akteure auf der kleinen Bühnen den Geschmack getroffen haben. Ihre Wortspielereien und der sprachliche Umgang mit den oftmals kleinen Dingen des täglichen Lebens waren nicht nur trefflich, sondern sie zeugten von einer guten Beobachtungsgabe. Für viele war es sicherlich schade, dass dieser Abend so schnell vergangen war. Doch im gemütlichen Kreis konnte man sich im Anschluß an die Veranstaltung noch einmal die einzelnen Bemerkungen wach rufen und sich daran erfreuen.
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