Vortrag & Gespräch zur Reichspogromnacht

 

Manchmal gibt es Vorträge, die werden zu Begegnungen, von denen man sagt: wie gut, daß ich das in meinem Leben erfahren habe! So ging es vielen am Abend des 16. Oktober, als in unserem Gemeindehaus ein Vortrag von Dr. Kurt Meier aus Washington stattfand. Der ältere Herr, Jahrgang 1930, berichtete von seiner Kindheit in Kippenheim, von der Deportation als 10 Jähriger mit seiner jüdischen Familie nach Gurs in Südfrankreich und von seiner Rettung nach Amerika. Ich war zunächst erstaunt darüber, daß er vor allem mit Hilfe eines Beamers alte Fotos seiner Familie vorstellte, Oma, Opa, die Eltern, Tanten und Onkels, die Geschwister, das Lebens damals mit Klassenkameraden und den Leuten vom Ort – aber genau dies bildete dann den Bogen der Sympathie und des Gleichzeitig-Werdens zu uns als seiner Zuhörerschaft. Wir haben einen Menschen erlebt, der so ist wie du und ich, und darum auch den unverständlichen, hochgeschraubten Hass, die Ausgrenzung und schließlich die Vernichtungsmassnahmen von damals aus dem Blickwinkel eines Betroffenen, der das alles nicht verstehen kann und doch beseelt blieb durch den unaufgegebenen Geist der Verständigung und der Geschwisterlichkeit. Da hat man einen physisch kleinen Mann mit großem Herz und großer Seele erleben können – ein gutes Stück wirklichen Versöhnungsgeschehens. Wie bin ich dankbar, daß uns das hier in der Gemeinde möglich war – ein Geschenk! Dafür auch Dank an Renate Kreplin vom Mahnmal-Projekt der Evangelischen Jugendarbeit in Baden, die diese wunderbare Begegnung möglich machte und uns zur Erinnerungs- und Gedenkarbeit ermunterte.