Liebe Gemeinde,

seit zwei Jahren liegt der Sonntag des Totengedenkens für die verstorbenen Mitglieder des Musik- und des Gesangsvereins ganz bewusst auf dem 3. Sonntag vor Ostern. Denn dieser Sonntag heißt auch – merkwürdiges Wort – „Kleinostern“, weil an diesem Tag,

mitten in der Passionszeit, der Psalm und die Lesung nicht auf das Leiden Jesu schauen, sondern auf das Hoffnungslicht, das Jesus in dieser Welt entzündet hat.

Ein Licht entzünden und neue Hoffnung – das passt sehr gut zum Totengedenken: Freude keimt auf, ein Lichtstrahl fällt herein in die Welt, und dieser Lichtstrahl heißt Jesus.

Wenn wir nun in Gedanken zurückgehen in die Zeit Jesu, vor 2000 Jahren: Was haben die Menschen damals gemacht, als dieses Licht – Jesus - zu ihnen gekommen ist?

Ganz am Anfang waren alle fasziniert. Wie toll dieser Rabbi aus Nazareth predigen konnte! Wie eindrücklich er von Gott sprach! Wie freundlich er auf die Menschen zuging! Und zusätzlich hatte Jesus auch richtig Handgreifliches geliefert: Kranke waren in seiner Nähe gesundgeworden, auf einer Hochzeitsfeier hatte er Wasser zu Wein gemacht – und dann das Allergrößte, als er 5000 Menschen auf einmal satt machte. Das war Klasse, Weltklasse! Ja, so als Zauberer, da gefiel ihnen dieser Jesus. Dass er sonst noch über Gott redete – geschenkt. Gehörte eben auch dazu, musste man wohl akzeptieren. Wichtig war, dass da was los war: Brot satt, Wein, pulsierendes Leben, da war etwas geboten. So wollten sie ihn haben.

Aber gleich nach dieser wunderbaren Sache mit der Speisung der 5000 geschah etwas ganz Anderes, und das erzählt die Bibel im heutigen Predigttext aus dem Johannesevangelium:

Am nächsten Tag kam das Volk zu Jesus. Jesus sagte: »Ihr sucht mich nur, weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Aber was Gott euch durch die Wunder sagen will, wollt ihr nicht verstehen. Statt euch nur um die vergängliche Nahrung zu kümmern, bemüht euch um die Nahrung, die Bestand hat und das ewige Leben bringt.«

»Herr«, sagten sie da zu ihm, »gib uns immer von diesem Brot!« Jesus antwortete: »Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungrig sein, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.« Jesu Worte empörte sie. Sie sagten: »Ist das nicht Jesus, der Sohn von Josef? Wir kennen doch seinen Vater und seine Mutter! Wie kann er da behaupten, er sei vom Himmel herabgekommen?«

Jesus antwortete: »Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wenn jemand von diesem Brot isst, wird er ewig leben. Dieses Brot, das ich ihm geben werde, ist mein Fleisch; ich gebe es hin für das Leben der Welt.« Von da an zogen sich viele Menschen von Jesus zurück.

Ein recht unbekannter Bibeltext ist das, aber ein sehr, sehr wichtiger!

An diesem Tag hat Jesus es sich mit vielen Menschen richtig verscherzt, und die wurden ihm später zum Verhängnis. Aber was hatte er eigentlich Schlimmes gemacht?

Ganz einfach: Er hatte sich an Gottes Willen orientiert, und nicht an den Erwartungen des Volkes. Die hätten ihn schon als Gottes Sohn verehrt – aber eben nur, wenn er ihnen etwas für das Auge und den Bauch geliefert hätte: Brot, Wunder und Sensationen. „Wir gehen nur dort hin, wo etwas los ist.“

Aber stattdessen redete Jesus nun Klartext und sagte: »Euch ist nur die vergängliche Nahrung wichtig – kümmert euch endlich um die geistliche Nahrung, die Bestand hat und das ewige Leben bringt.«

Die Menschen konnten nicht fassen, was Jesus da gesagt hatte. Und dann wurden sie zornig: So einen Sohn Gottes wollte das Volk nicht. Und so haben sie ihn fallen gelassen.

Liebe Gemeinde, bis heute wiederholt sich das: Jesus wird einfach fallen gelassen. Denn seine Botschaft, so sagen viele, passt nicht mehr in unsere Welt. Und es ist ja auch tatsächlich so: In einer Gesellschaft, in der das Laute, das Schräge und das Bunte angesagt sind, da ist in der Tat kein Platz mehr für Jesus und für Gottes Wort.

Brot und Wein wollten sie damals von Jesus – Spaß und Fetziges wird heute gewünscht. Jesus nannte das: vergängliche Nahrung. Und in der Tat: Wer nur nach Genuss giert, wird irgendwann die bittere Erfahrung machen, dass dies keinen Halt gibt, wenn einem das Leben die Felle davonschwimmen lässt.

Aber so lange behält in unserer Gesellschaft bei vielen der Glaube an Spaß und Genuss die Oberhand. Jesus hat in dieser Spaßgesellschaft keine Chance mehr.

Und nicht nur mit Jesus wollen viele nichts mehr zu tun haben, sondern natürlich auch nicht mehr mit der Kirche. Und das bekommt man schon recht deutlich zu hören:

Jesus? Altmodisch!

Kirche? Überholt!

Gottesdienst? Langweilig!

Gemeindeveranstaltungen? Lieber gehe ich zum Stammtisch!

Mitarbeit in der Kirchengemeinde? Nie im Leben!

Viele Menschen haben – zumindest innerlich – der Kirche den Rücken gekehrt: weil nichts los ist, weil es kein Halligalli gibt, weil es in der Kirche um Gott und Jesus geht.

Gut, wenn es in der Kirche nur um Gott und Jesus geht! Dann steht sie wenigstens in Treue zu dem, auf den sie gegründet ist. Auf diese Weise folgt die Kirche immerhin auch im Leiden ihrem Herrn nach.

Jesus wurde verworfen und gekreuzigt – weil er nicht so war, wie die Menschen ihn haben wollten.

Er wird nach wie vor verworfen, verachtet, belächelt. Es sind heute nicht mehr viele, die an ihn glauben und sich von seinen Worten leiten lassen. Und wer sich laut vernehmbar zu Jesus bekennt, wird angesehen wie einer, der sie nicht mehr alle hat.

So wiederholt sich, was damals in Jerusalem geschehen ist. Immer wieder.

Und da hängt er dann, oben, am Kreuz, ganz alleine. Und er starrt über die leeren Kirchenstühle in diesem viel zu großen Gotteshaus.

Da hängt er, am Kreuz, ganz alleine.

Ob Jesus traurig ist? Vielleicht.

Ob Jesus verbittert ist? Vielleicht.

Aber eines wird Jesus niemals tun: uns Menschen für immer verdammen.

Er hat damals gesagt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausweisen.“ Bis heute gilt dieses Versprechen Jesu. Es gilt an jedem Ort und zu jeder Zeit. Auch hier und jetzt noch. Es ist Zeit zur Umkehr. Noch ist Zeit.

Amen.