Liebe Gemeinde, und ganz besonders:    liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

erinnert ihr euch noch an den Gottesdienst am 26. Juni? Hier in der Kirche hat damals eure Konfirmandenzeit begonnen, ich habe gepredigt über --- Hausschuhe ---. Hausschuhe als Symbol dafür: Wir alle sind hier willkommen, in der Kirche, im Gotteshaus dürfen wir uns fühlen wie zu Hause. Und dann seid ihr der Einladung gefolgt und richtig treue Gottesdienstbesucher geworden, einer von euch war in diesen acht Monaten sogar zweimal öfter im Gottesdienst als der Pfarrer.

Heute will ich noch einmal über Schuhe predigen. Und zwar über die Schuhe, die ihr für euren weiteren Weg braucht – und jeder dieser Schuhe hat mit eurem Lebensweg zu tun und mit Gott, der euch vor 14, 15 Jahren in dieses Leben gerufen hat:

Da habe ich zuerst Turnschuhe. Die erinnern uns daran, dass ihr es gerne bequem habt. Ja nicht zu viele Anstrengungen! Uns Eltern kann das manchmal ziemlich nerven, aber auf der anderen Seite ist das Ausruhen – Relaxen, Chillen – Teil der Würde, die Gott nur einem einzigen Geschöpf gegeben hat, nämlich uns Menschen. Und haben wir nicht im Psalm 23 etwas über die grünen Auen gelernt – Sinnbild des Ausruhen-Dürfens? Die Turnschuhe sagen uns „Nimm nicht alles schwer.“ Also, ihr müsst nicht ständig durchs Hamsterrad rennen.

Apropos Rennen – das führt mich zum nächsten Schuh. Sieht aus wie ein Turnschuh, wenn wir genau hinschauen erkennen wir die Spikes. Das sind also Rennschuhe, die passen zu euch, denn: Es kann euch nicht schnell genug gehen! Endlich 15 – Mofa. Endlich 16 – länger wegbleiben. Endlich 18 – Führerschein, erwachsen, tun können, was ich will (große Täuschung). Es ist ganz normal, dass ihr nach vorne schaut und älter werden wollt. Das war doch bei uns allen so, oder? Als Jugendliche sahen wir die Zukunft als das gelobte Land. Und heute erkennen viele in ihrer Jugendzeit das verlorene Paradies! Auch die meisten von euch werden in 20 Jahren sagen: „Schade, dass unsere Jugendzeit so schnell vergangen ist!“ Diese Zeit jetzt, die ist wertvoll, auch wenn ihr noch nicht alles dürft und sollt, auch wenn die Schule nur begrenzt als Spaßfaktor dient und wir Erwachsenen so oft als Spaßbremsen dastehen. Diese Zeit jetzt, sie ist euch von Gott geschenkt. Freut euch darüber und genießt, was ihr habt und was ihr seid!

Ich habe noch ganz andere Schuhe, es sind natürlich nicht meine eigenen: Diese Pumps – schick und elegant – sie erinnern uns an die Festtage unseres Lebens. Und auch daran, dass wir manchmal einfach genießen dürfen: den freien Tag, das gute Essen und Trinken, den Urlaub und eben alles, was das Leben an Feiernswertem mit sich bringt. Diese besonderen Zeiten und Feste – auch die hat Gott in unser Leben gelegt! Und ich sage das uns allen: Wir pflichtversessenen Christenmenschen, wir sind gute Menschen; aber Gott hat uns nicht nur für die Pflichten geschaffen, sondern auch für die schönen Tage unseres Lebens. Oder was glaubt ihr, liebe Gemeinde, warum sonst Jesus das Wasser in Wein verwandelt hat?

Pumps – Gott sagt ja zum Feiern und Genießen!

Hier habe ich noch ganz andere Schuhe: Badeschuhe. Warum? Weil wir manchmal ganz gewaltig baden gehen in unserem Leben und uns da das Wasser bis zum Halse stehen kann. Ihr kennt solche Situationen schon, etwa bei der 5 in Physik oder beim Nachsitzen (natürlich immer unbegründet) oder wenn ihr Ärger mit jemandem habt. Das wird munter so weitergehen: Unser ganzes Leben bringt immer wieder Momente, in denen etwas danebengeht – im Beruf, in der Familie, im Sport usw. Das tut manchmal ganz schön weh! Aber das gehört zu unserem Leben, genauso wie die Fehler, die wir begehen, oder die Schuld, die wir uns gegenüber anderen Menschen aufladen.

Mir hilft in solchen Momenten – manchmal gar nichts. Oft aber hilft mir, dass Jesus gesagt hat: „Ihr dürft Fehler machen. Ihr müsst nur versuchen, sie einzusehen und sie kein viertes, fünftes Mal zu machen.“ So können wir also - auch wenn wir baden gehen – immer wieder neu anfangen – mit Anderen, mit Gott und mit uns selbst.

Welche Schuhe fehlen jetzt noch? – Bergschuhe. Für alle unsere Wege erinnern uns diese Bergschuhe an die Kernpunkte unseres Glaubens und erinnern uns an vier wichtige Dinge:

  1. Das wichtigste an diesem Schuh ist die Sohle: Sie gibt Halt, da kann man nicht ausrutschen. Unser Glauben stellt uns auf festem Grund. Es gibt einen, auf den wir uns verlassen können, und das ist Gott.
  2. Wichtig sind auch die Schnürsenkel: Genauso wie der Schuh durch die Schnürsenkel unsere Füße festhält, hält Gott auch an uns fest. Und Gott sagt Ja zu uns, so wie wir sind.
  3. Diese Schuhe sind absolut wasserdicht. Das erinnert mich daran, dass Gott uns nicht im Regen stehen lässt. Auch wir Christen werden nicht von schweren Momenten verschont - aber Gott kann uns auch wieder heraushelfen.
  4. Ein letztes: Diese Schuhe werden oft schmutzig, aber sie lassen sich wieder reinigen. Auch wir haben manchmal, wie das Sprichwort sagt, Dreck am Stecken und leben nicht nach Gottes Willen. Aber auch im ärgsten Schmutz - denkt an das Gleichnis vom verlorenen Sohn - fängt Gott wieder neu mit uns an. Gottes Weg mit uns kennt kein Ende.

Soviel zu diesem Bergschuh. Der ist übrigens sehr teuer. Und an diesem Punkt hinkt der Vergleich: Unser Glaube ist kostenlos.

Nach diesem Tag führt euch euer Weg wieder in den Alltag, in das Leben hinaus. Für alle Wege wünsche ich euch das richtige Schuhwerk. Dass Gott euch auf euren Wegen, wohin sie auch führen werden, mit seinem Segen begleitet, das wünschen wir euch alle. Deshalb bekommt ihr heute auch seinen Segen zugesprochen. Und deshalb dürfen wir sagen: „Herr, wir bitten: Komm und segne uns“. Amen.