Liebe Gemeinde, und vor allem: liebe Jubilar/inn/en,

65 Jahre, 60, 50, 25 Jahre sind vergangen seit Ihrer Konfirmation – aber heute, hier in dieser Kirche, da sind

Ihnen die Erinnerungen an Ihre Konfirmandenzeit noch ganz, ganz nahe:

1952, liebe Eisernen Jubilare, wurden Sie von Pfarrer Fath konfirmiert. Er hatte die Buben und Mädchen getrennt – sicher hatte er seine Gründe dafür. Konfirmandenunterricht war im jetzigen Singsaal im Rathaus, und mit dem Lehrer Sänger haben Sie die Lieder geübt.

Als 1957 Sie, liebe Diamant-Jubilare, konfirmiert wurden, da war das mit dem Gesang ganz anders. Zwei Konfirmandenlieder übte Pfarrer Scheel mit Ihnen ein, mit Geige und Kopfnüssen. Und das hat wohl sehr gut funktioniert – „Die güldne Sonne“ und „Stern auf den ich schaue“ konnten Sie dreistimmig vortragen.

Nun kommen wir ins Jahr 1967. Da wurden Sie, liebe Gold-Konfirmanden, von Pfarrer Wölfle konfirmiert. Einige von Ihnen haben erzählt, dass der Katechismus wie ein Damoklesschwert über dem ganzen Geschehen hing – samt der Drohung: „Wenn ihr das nicht lernt, werdet ihr nicht konfirmiert.“ Und natürlich wurden alle konfirmiert – und wer wollte, den hat Pfarrer Wölfle auch auf Freizeiten mitgenommen.

Und Sie, liebe Silber-Konfirmanden, waren 1992 der zweite Jahrgang von Ulla Eichhorn. 1992 – da gab es die ersten PCs, aber noch kein Handy, keine Mails und kein WhatsApp – und trotzdem haben Sie überlebt, haben sich miteinander verabreden können und sind auch nicht an Langeweile gestorben!

Ganz viele Erinnerungen werden an einem solch besonderen Tag wie heute wach: Geblieben sind vor allem die guten Erinnerungen – die machen einen solchen Tag schön und lassen uns wehmütig zurückschauen.

Vier Jahrgänge aus vier ganz unterschiedlichen Zeiten und Lebenshintergründen – und eine große Gemeinsamkeit: Ihnen allen wurde der gleiche Segen Gottes zugesprochen, hier, in dieser Kirche, und Sie alle wurden hier, an diesem Altar, beim Abendmahl gestärkt für Ihren Weiterweg durchs Leben, nachdem Sie Ja gesagt hatten zu Ihrem Glauben.

Vier Jahrgänge aus vier ganz unterschiedlichen Zeiten und Lebenshintergründen – mit ganz unterschiedlichen Erlebnissen in der Konfirmandenzeit – und im Leben danach hat sich das fortsetzt. Sie haben seinerzeit als junge Menschen diese Kirche verlassen mit dem Versprechen Jesu: „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Haben Sie diese Nähe Jesu gespürt in Ihrem Leben? Hat Gottes Segen sich auf Ihr Leben ausgewirkt?

Den Segen Gottes haben viele erlebt: in der eigenen Ehe, in den Kindern, im beruflichen Werdegang, im Aufbau des eigenen Wohlstandes, in Momenten des Glücks, in Freundschaften und in hoffentlich vielem mehr.

Aber manche unter Ihnen haben auch Schweres hinter sich, und gerade an einem Tag wie heute denken Sie auch daran. Manche haben in jungen Jahren einen Bruder, den Vater oder den Großvater im Krieg verloren. Anderen ist im Lauf der Jahre der Ehepartner gestorben, bei manchen war es gar das Kind oder das Enkelkind. Wieder Andere sind gesundheitlich angeschlagen, und da denken wir jetzt auch an die unter Ihren Mitkonfirmanden, die gerne heute gekommen wären, deren Gesundheit es aber nicht zulässt.

Bei all dem Schweren, was wir da mitunter erleben, wie ist das da mit Jesus, der alle Tage bei uns bleiben will?

Jesus hat noch etwas Anderes gesagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Ein wunderbarer Satz! „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Dieser Satz sagt nicht, dass es für uns nur Glücksmomente gibt. Auch die dunklen, die schweren Stunden gehören dazu, so wie auch Jesus nicht vom Leiden verschont bleibt. Aber es bleibt nicht dabei. „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Damit macht Jesus uns Mut für die Zukunft. Diese Zukunft, unsere Zukunft, sie beginnt nach diesem Gottesdienst, nach diesem Tag des Feierns, mit dem Weg hinaus in unseren Alltag – in unsere Familien, in unsere Pflichten, in unsere gewohnten Wochenpläne.

Was sie uns bringen werden, wir wissen es nicht. Aber gewiss dürfen wir uns dessen sein, dass Jesus uns nicht alleine lässt.

„Ich lebe, und ihr sollt auch leben“, hat Jesus gesagt. Und wir dürfen auf dieses Versprechen Jesu antworten und Jesus bitten: „Herr, wir bitten: Komm und segne uns.“

Amen.