Liebe Gemeinde, ganz besonders: liebe Konfirmand/inn/en,

sehr oft werdet ihr in den kommenden Monaten sonntags hier sitzen, wenn wir Gottesdienst feiern. Ich wünsche euch, dass ihr den Gottesdienst mitfeiert und nicht einfach eure Zeit hier absitzt – denn dazu ist unsere Lebenszeit viel zu wertvoll.

Manchmal werdet ihr merken:

„Im Gottesdienst, da geht es ja auch um mich!“ – und manchmal wird es euch langweilig sein, weil für viele von euch die Kirche und der Gottesdienst etwas sind, was sie nicht kennen und was ihnen fremd ist.

„Fremd“ – das ist ein wichtiges Stichwort heute. So fremd das alles sein mag für einige unter euch - ihr sollt euch hier gerade nicht fremd fühlen. In unseren Kirchen sollt ihr in den nächsten Monaten spüren: „Da gehöre ich dazu, da gehöre ich hin.“

Zwei von euch werden das ganz ausdrücklich bei ihrer Taufe in ein paar Monaten hören. Und die anderen 12 haben das als kleine Kinder gehört – bei ihrer Taufe.

Viele Jahre sind seitdem vergangen, ziemlich groß seid ihr geworden, eure Eltern denken vielleicht ein wenig wehmütig zurück an euch als Babys – und nun seid ihr hier: alt genug, um selbst zu sagen, was ihr wollt und was ihr nicht wollt, alt genug auch, um eure eigenen Erfahrungen zu machen mit eurem Glauben und eurer Kirche. Ich sage ganz bewusst „eure Kirche.“ Denn die Kirche gehört uns allen. Zur Kirche gehören wir alle gleicher Maßen. Und es hat in dieser Kirche genug Platz für jeden und jede. Das ist die Überschrift, unter der unsere Konfirmandenzeit beginnt, und es reicht mir, wenn ihr aus diesem ersten Gottesdienst diesen einen wichtigen Gedanken mitnehmt: „Ich gehört hierher, ich bin hier kein Fremder.“

Mich erinnert das an einen Satz aus dem Epheserbrief, in dem heißt es: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“

Nicht mehr Fremde! Und ihr seid auch nicht nur Gäste. Gäste sind irgendwo zu Besuch. Ihr seid auch keine „Gottesdienstbesucher“. Denn ein Gottesdienst ist nichts zum Besuchen, zum Betrachten. Ihr seid auch nicht Gäste der Gemeinde. Nein, ihr gehört dazu zu dieser Gemeinde als mündige Bestandteile dieser Gemeinde. Es gibt nicht Gemeindeglieder ersten, zweiten oder dritten Grades. Gott will nicht, dass zwischen Menschen Unterschiede gemacht werden.

Und damit ihr gar nicht erst auf den Gedanken kommt, euch hier als Gäste oder Fremdlinge zu fühlen, setzt der Apostel noch einen drauf und sagt: „Sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“

Mitbürger der Heiligen – Moment mal, gibt es in der evangelischen Kirche Heilige? Martin Luther hat gesagt: „Die Heiligen, die angeblich oben im Himmel um Gottes Thron herumstehen, die sind eine Erfindung der Menschen. Jeder Mensch ist heilig, also von Gott erwählt. Auch ihr. Auch Sie. Auch ich.

Und dann noch der letzte Satz: „Ihr seid Gottes Hausgenossen.“ Ein einziges Mal nur taucht dieses Wort in der dicken Bibel auf, und es beschreibt etwas Einzigartiges: Wir und Gott, wir wohnen Tür an Tür. Ich stelle mir das bildlich vor: ihr und ich und wir alle und mittendrin Gott – nicht hoch droben in den Wolken, nein, hier, mitten unter uns. Gott und wir, an einem Tisch – und alle sind ihm willkommen. Ein sagenhaftes Bild!

Also, ihr Lieben, diesen einen Satz, den nehmt ihr mit in eure Konfirmandenzeit: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“

Natürlich hat der Apostel diesen Satz damals nicht an Konfirmanden geschrieben. Er richtet sich an erwachsene Menschen. Und damit spricht der Apostel auch uns alle an. „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Liebe Konfirmandenfamilien, ich möchte diesen Satz Ihnen ganz besonders ans Herz legen heute. Manche unter Ihnen nehmen ab und zu am Leben unserer Gemeinde teil, andere nur selten; und vielleicht führt das da und dort dazu, dass manche sich etwas unsicher fühlen hier in der Kirche, wo einiges so anders und ungewohnt ist. Aber in dieser Kirche hier, da soll sich jeder und jede fühlen wie zu Hause: geborgen, sicher, willkommen. Willkommen, und es spielt keine Rolle dabei, ob jemand evangelisch, katholisch oder neuapostolisch oder aus der Kirche ausgetreten ist. Willkommen sind wir alle, weil Gott uns alle willkommen heißt. Egal, wo wir vorher waren; egal, wie lange wir weg waren; egal, was wir uns in der Zwischenzeit aufgeladen haben – an jedem neuen Tag lädt Gott uns zu sich ein.

Und wenn Gott uns jetzt hier so sitzen sieht, uns mit all unserem Licht und vor allem Schatten, so einträchtig beieinander, vielleicht lächelt er milde und denkt sich: „Ja, hier gehören sie hin, alle miteinander, meine lieben Hausgenossen hier.“

Amen.