Liebe Fest-Gemeinde, ganz besonders: liebe Abiturient/inn/en,

 

ihr hattet einige klare Vorstellungen bezüglich dieses Gottesdienstes, eine davon war: Es soll um den Psalm 23 gehen, den wir vorhin gebetet haben.

Ich habe mir später überlegt: Wieso wollen die denn den 23. Psalm? Aber irgendwann beim Lesen kam mir dann in den Sinn: Dieser Psalm ist zwar 3000 Jahre alt – aber er

könnte genauso gut die Überschrift über ein Schülerleben sein. Und deshalb will ich jetzt ganz einfach den Psalm auslegen als Bild für ein langes Schülerleben:

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Hier erinnert der Psalm euch und uns an alle an etwas, das wir oft vergessen: dass es uns wirklich an nichts mangelt, schon gar nicht materiell. Wir haben Zugang zu Bildung, es gibt Taschengeld, PCs und Smartphones sind Selbstverständlichkeiten, wer Hunger hat, geht zum Kühlschrank oder als Schüler/in in die Mensa bzw. lässt sich Döner herankarren.

„Mir wird nichts mangeln“ – das erinnert euch auch daran, dass ihr eure Schulzeit im Schutz eures Elternhauses verbracht habt, eure Eltern waren da für eure kleinen und großen Nöte, geduldige Zuhörer beim Üben von Präsentationen und manchmal auch Antreiber bei Faulheitsanfällen. Deshalb – ich sage es stellvertretend für euch - Danke, ihr Eltern, für alles, was ihr für eure Kinder getan habt!

Ich lese weiter im Psalm: „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.“ Eine grüne Aue war die Schule nicht immer, aber manchmal doch! Es gab nicht nur Stress, sondern auch Erholungsphasen, es auch viel zu lachen, Eure Abizeitung erzählt davon. Zum frischen Wasser gehört die Unmenge an Wissen, die ihr euch einverleiben konntet. Ok, manche waren da etwas resistent, die mussten halt mit dem frischen Wasser der Bildung geduscht werden –individuelle Förderung heißt das. Und wir vergessen bei den grünen Auen auch die Ferien nicht. Es ist euch zu gönnen!

Nun, es gab in der Schule auch traurige Momente: schlechte Noten, Abschiede, Streit, Ärger, Tränen, Erschöpfung. Da sagt der Psalm: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“ Finstere Täler, traurige Momente, da hat es gutgetan, wenn ihr gespürt habt: „Da ist jemand da.“ Eine Freundin, ein Freund, die Eltern, jemand von uns Lehrkräften – und ganz bestimmt auch Gott. Ich sage dies jetzt nicht, weil das ein Pfarrer sagen sollte. Aber ich glaube, dass in finsteren Tälern Gottes Wirken besonders spürbar wird: Wenn ihr nicht mehr konntet, wenn ihr am Boden wart, wenn ihr frustriert ein Schulbuch in die Ecke geworfen habt, wenn der Schulweg zum Angstweg wurde – wenn wir uns in solchen Momenten aufraffen können, da wirkt Gott in uns mit seinem Geist der Kraft und des neuen Lebensmutes.

Heute aber ist der Tag des Feierns. Und da sagt der Psalm: „Du bereitest vor mir einen Tisch. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.“ Vielleicht solltet ihr das mit dem „voll einschenken“ heute nicht zu wörtlich nehmen. Jedenfalls steht hier, dass nach Gottes Willen Festtage zu unserem Leben dazugehören. Die Festwochen, sie sind jetzt dran. Ihr feiert seit einer Woche. Gut so! Dann geht’s nach Spanien. Gut so!

Bald aber richtet sich euer Blick auf die Zukunft. Was kommt auf mich zu? Wie geht’s weiter? Drei Dutzend Lebensentwürfe habt ihr. Wir hoffen mit euch, dass sich Wünsche erfüllen, dass Träume wahr werden, dass euer Leben gelingt.

Vor allem aber möge Gott euch immer wieder spüren lassen, was hier im Psalm steht: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang!“

So wünsche ich euch und wünschen wir alle euch, dass euer Leben von Gottes Segen begleitet und behütet wird und dass ihr Gottes Nähe spürt – an jedem Tag eures Lebens.

Amen.