Liebe Gemeinde, und ganz besonders: Liebe Tauffamilie,

wenn es eine Hitparade der Taufsprüche gäbe, da stünde dann ganz oben ein Vers aus dem 91. Psalm: „Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ In diesem Jahr zum Beispiel haben sechs von elf Taufeltern diesen Taufspruch für ihr Kind gewählt. Auf den weiteren Plätzen dieser Taufspruch-Hitparade fänden sich dann „Ich bin das Licht der Welt“ und „Der Herr ist mein Hirte“.

Und ganz am Ende? Ganz am Ende

fände sich unter anderem der Bibelvers, den Sie, liebe Eltern, sich als Taufspruch für Ihren Jaron ausgewählt haben. Dort gehört er aber nicht hin. Es ist ein sehr, sehr schöner und in unserer Zeit wichtiger Taufspruch, und ich gestehe, dass von den gut 500 Kindern, die ich bisher getauft habe, noch kein einziges diesen Taufspruch bekommen hat.

Aber das wird sich in Zukunft ändern – ich werde Taufeltern unter anderem diesen Bibelvers bei der Auswahl dringend ans Herz legen. Und nun ist es natürlich Zeit, dass ich mal sage, um welchen Spruch es sich handelt. Er steht im 127. Psalm und heißt: „Kinder sind eine Gabe des Herrn – die Frucht des Leibes ist sein Geschenk.“

Dieser Taufspruch, liebe Taufeltern, der ist zunächst einmal absolut unmodern. Viele Menschen ticken heute so, dass sie sagen: „Kinder sind kein Geschenk. Kinder kann man planen, wie man Kinder macht, das wissen ja schon Grundschüler.“

So in etwa ist die heute übliche Denkweise. Zu mir kam vor einigen Jahren einmal ein Brautpaar. Wir redeten unter anderem auch über Zukunftspläne, und die Frau sagte: „Nach unserer Hochzeit werden wir zwei Jahre lang beide arbeiten, danach kommt das erste Kind und zwei Jahre später das zweite. Und dann gehen wir wieder beide arbeiten.“ Und der Mann tat, was alle guten Ehemänner machen: Er nickte. Es darf ja jeder Mensch denken, was er will – aber mir taten diese beiden jungen Menschen Leid. „Alles ist planbar, alles ist steuerbar, wir haben alles selbst in der Hand“ – wer so lebt, dem wird nichts geschenkt, bei dem erfüllen sich nur Pläne. Wo bleibt da noch der Raum, sich beschenken zu lassen.

Ich bin ja auch nicht von gestern, natürlich braucht es Familien-Planung. Aber bei allem Planen sollten wir eines nicht vergessen: Letztlich haben wir Menschen es nicht alleine in der Hand. Jedes Kind ist ein Gottes Geschenk, jeder Junge müsste eigentlich Jonathan oder Nathanael oder Theodor heißen: „Gottesgeschenk“.

Nein, wir bleiben bei unseren eigenen schönen Namen, und auch der Jaron wird weiter Jaron heißen, aber ihn begleitet sein wunderbarer Taufspruch: „Kinder sind eine Gabe des Herrn – die Frucht des Leibes ist sein Geschenk.“

Danke, dass Sie diesen Taufspruch gewählt haben, durch den wir alle noch einmal ganz besonders daran erinnert werden: Kinder sind ein Geschenk Gottes.

Und wenn Kinder also ein Gottesgeschenk sind, dann sind sie einiges NICHT, und das lässt sich in genau sieben Punkten beschreiben:

Kinder sind kein Zufall – sie sind von Gott gewollt und ins Leben gerufen.

Kinder sind kein Unfall – sie sind das größte Geschenk, das der Schöpfer für Liebende vorgesehen hat.

Kinder sind auch keine Option für später – nach dem Motto: wir schaffen uns mal, so lange es geht, ein Kind an, geben es aber auf jeden Fall mit sechs Wochen in die Ganztagskrippe. Kinder sind eine Gabe und Aufgabe Gottes, und zwar von Anfang an!

Kinder sind auch keine Lernmaschinen - das G8 ist ein Verbrechen an Kindern und ihren Familien, und in den anderen Schularten wird es auch immer mehr und mehr.

Kinder sind auch keine Investition in die Zukunft – rein betriebswirtschaftlich gesehen ist jedes Kind eine Katastrophe, weil es etwa 115000 € kostet, bis es für sich selbst sorgt. Wir müssen in Kinder investieren, Geld, Zeit, Nerven, Liebe – das kostet Kraft und gibt dem Leben einen solch großen Sinn!

Kinder sind keine Menschen, aus denen etwas gemacht werden muss – auch Kinder dürfen von sich mit den Worten des Psalms sagen: „Gott, Du hast mich wunderbar gemacht“.

Und schließlich sind Kinder auch nicht nur zukünftige Erwachsene, im Gegenteil: Wir haben vorhin im Kinderevangelium gehört, was Jesus uns bis heute sagt „Nehmt euch Kinder zum Beispiel und werdet wie die Kinder!“

Was Kinder aber sind, das ist mit einem Satz gesagt: Kinder sind Gottes größtes Geschenk. Dafür und für alle unsere Kinder, auch wenn sie manchmal noch so viel Kraft kosten und noch so nerven und uns noch so viele Sorgen bereiten und uns noch so in den Wahnsinn treiben – für unsere Kinder lasst uns Gott danken und lasst uns Gott loben, jeden Tag! Amen.