Liebe Gemeinde,

die Schriftlesung, die wir gerade gehört haben, führt uns zum dritten Ausrufezeichen: Da hat also ein Bauer eine prima Ernte – und jetzt denkt er nur noch an eines: „Wo bringe ich das alles unter?“ Dann hat er die Idee:

„Ich baue Kornkammern. Dort ist die Ernte gut aufgehoben.“ Aber noch ehe er seine Pläne umsetzen kann, passiert etwas ganz Schlimmes: Ganz überraschend stirbt der reiche Kornbauer. Er stirbt nicht, weil er reich ist. Das hat Jesus nicht gesagt. Jesus ging es vielmehr um die Frage: Wie hätte der reiche Kornbauer mehr Freude haben, wie hätte er besser leben können? Und die Antwort darauf liefert uns das dritte Ausrufezeichen – „Teilen!“.

Teilen und von seinem Überfluss abgeben – das hätte jener reiche Mann tun können. Wahrscheinlich wäre er dadurch nicht unglücklich geworden.

Teilen und abgeben – dazu lädt das Erntedankfest auch uns ein. So, wie wir für diesen schönen Erntedankaltar die Früchte unserer Gärten mit den Bewohnern der Diakonie Kork teilen.

Teilen können wir vieles, dazu drei Ideen:

Wir können unseren Lebensraum mit Flüchtlingen teilen, indem wir sie ganz selbstverständlich in unsere Mitte nehmen – in die Mitte unserer Herzen und auch in die Mitte unserer Dörfer; und nicht in Ghettos, die wir außerhalb für sie zusammenbauen.

Teilen können wir auch schöne Kleidung, die wir nicht mehr brauchen, indem wir sie nicht immer nur auf dem Kleiderbasar oder bei eBay verkaufen, sondern sie einmal ganz bewusst an eine diakonische Einrichtung spenden etwa an einen Diakonieladen oder an die Kleiderkammer in Achern.

Das dritte freut mich jedes Jahr, wenn jeweils ein großer Teil der Konfirmand/inn/en einen Teil des geschenkten Geldes als Konfirmandendankopfer für die Christoffel-Blinden-Mission spendet und so dabei mitwirkt, dass Kinder in den armen Ländern unserer Erde wieder sehen können.

Und so gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, die wir haben, um den dritten Schritt zu gehen und zu teilen. Und beim Teilen werde ich nicht ärmer. Dafür kann man aber den Himmel auf Erden erleben. Davon erzählt ein russisches Märchen folgendes:

Ein Rabbi bat Gott einmal darum, den Himmel und die Hölle sehen zu dürfen. Gott erlaubte es ihm und gab ihm den Propheten Elia als Führer mit. Elia führte den Rabbi zuerst in einen großen Raum, in dessen Mitte auf einem Feuer ein Topf mit einem köstlichen Gericht stand. Rundum saßen Leute mit einem langen Löffel und schöpften alle aus dem Topf. Aber die Leute sahen blaß, mager und elend aus. Denn die Stile ihrer Löffel waren viel zu lang, so daß sie das herrliche Essen nicht in den Mund bringen konnten. Als die Besucher wieder draußen waren, fragte der Rabbi den Propheten, welch ein seltsamer Ort das gewesen sei. Es war die Hölle.

Daraufhin führte Elia den Rabbi in einen zweiten Raum, der genau aussah wie der erste. In der Mitte des Raumes brannte ein Feuer, und dort kochte ein köstliches Essen. Leute saßen ringsum mit langen Löffeln in der Hand. Aber sie waren alle gut genährt, gesund und glücklich. Sie versuchten nicht, sich selbst zu füttern, sondern benutzten die langen Löffel, um sich gegenseitig zu essen zu geben. Dieser Raum war der Himmel!

Teilen – denn auch andere bitten um das tägliche Brot.

Wer teilt, sagt uns dieses schöne Märchen, wird also nicht ärmer, sondern trägt dazu bei, dass der Himmel schon auf Erden sichtbar wird. Wer teilt, trägt mit dazu bei, dass wir sagen können: „Da hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut.“ Von diesem Lied lasst uns jetzt singen.

Amen.