Liebe Gemeinde,

im Internet gibt es eine Seite, die heißt „GuteFrage.net“. Da können wir alle möglichen Fragen finden – und die Antworten auf fast alle dieser Fragen. Aber am letzten Mittwoch hat einer unserer Konfirmanden eine Frage gestellt, die lässt sich nicht so einfach beantworten, auch von der erwähnten Internet-Seite nicht. Eine echt gute Frage.

Die Frage dieses aufgeweckten Konfirmanden war:

„Gott hatte doch die Fähigkeit, dem Mose in einem brennenden Dornbusch zu begegnen? Und Gott hatte doch genauso die Fähigkeit, vor 2000 Jahren in Jesus ein Mensch zu werden? - Warum wird er eigentlich heute nicht mehr Mensch?“

Eine echt gute Frage: „Warum wird Gott eigentlich heute nicht mehr Mensch?“ Ich habe diese Frage übrigens vorgestern bei gutefrage.net eingestellt und 27 Antworten erhalten. Um selbst auch eine Antwort zu versuchen, frage ich erst mal anders herum: „Was wäre denn, wenn Gott heute und hier Menschengestalt annehmen würde? Oder wenn Gott sich jetzt auf eine andere Weise offenbaren würde?“

Ich denke, zuerst wären wir fassungslos. Es würde uns die Sprache verschlagen, uns würden die Knie zittern, eine Mischung aus Furcht und unbändigem Staunen würde uns packen. Und dann, irgendwann, könnten wir unser Glück fassen und wären überglücklich, bis ans Ende unseres Lebens.

Bei der Sache mit dem Glück sind wir schon ziemlich nahe an Weihnachten dran. Denn da geht es ja auch um Menschen auf dem Weg zum Glück: die Hirten. Denen verkündet Gottes Bote, dass sie einfach nach Bethlehem gehen müssen. Und tatsächlich finden sie ihr Glück: es liegt ausgerechnet in einer Futterkrippe.

Die Hirten waren keine suchenden Menschen. Sie hatten gar keine Zeit, sich Gedanken über das Glück zu machen. Ihr ermüdender, knochenharter Beruf, der war genug.

Doch ausgerechnet diese Menschen kommen zur Krippe. Nicht, weil sie das Glück gesucht haben, sondern weil sie dorthin geschickt werden. Eher zufällig stolpern sie hinein in das wunderbare Geschehen von Bethlehem, direkt vor ihrer Haustüre.

Die Hirten, die haben gar nichts dazugetan. Das Glück ist ganz einfach zu ihnen gekommen. Einfach so.

Und das, liebe Heiligabendgemeinde, ist kein Zufall. Gottes Geschichte mit seinen Menschen zeigt uns immer wieder dasselbe: Es ist nicht Sache von uns Menschen, Gott zu finden. Vielmehr erzählt dieses dicke Buch von Anfang bis zum Schluss: Es ist eine Bewegung Gottes auf die Menschheit zu.

Soll das heißen, dass wir selber nichts dazu tun können? Ja, genau das. Wir können uns noch so sehr bemühen, Schritte hin zu Gott zu machen, wir können Millionen Schritte gehen - wir werden Gott, wir werden unser Heil, unser Glück, so nicht finden. Gott kommt auf seine Menschen zu, nicht umgekehrt.

Das passt zwar nicht zu dem, wie wir uns selbst sehen und wie wir selbst leben wollen. Denn wir regeln unsere Angelegenheiten gerne selber. Jeder ist seines Glückes eigener Schmied, sagen wir.  Aber auch wenn wir daran schmieden, bis uns die Arme abfallen, liebe Gemeinde, wir werden Gott nicht einen Millimeter näher an uns heranziehen können.

Wer Gottes Nähe erfahren will, muss warten können; muss verzichten können auf die eigene Umtriebigkeit und das eigene Dazutun. Paul Gerhardt hat das in einem Adventslied so ausgedrückt: "Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht".

Wir reden oft über Gott in einer Weise, als wüssten wir alles über Gott; als könnten wir vorhersagen, wie Gott handeln würde; als könnten wir Gott unseren Wünschen gefügig machen. Aber im Geschehen um die Krippe herum entdecken wir: Gott steckt voller Geheimnisse. Zu diesen Geheimnissen gehört, dass kein Mensch sagen kann, wann Gott wie handelt.

Das einzige, was wir über Gott ohne Vermessenheit sagen dürfen, ist: Gott kommt auf uns Menschen zu, und bietet uns das Lebensglück an, das Heil. Auch wenn wir oft einfach daran vorbeirennen und andere Quellen des Glücks suchen.

So verschieden wir sind, eines ist uns allen gemeinsam: Wir wollen glücklich leben. Doch viele werden auf der Suche nach dem Glück enttäuscht - von Ideologien, von Menschen, von Dingen, auf die wir gesetzt hatten. Was können wir tun, damit wir nach den Feiertagen nicht zu den Enttäuschten gehören?

Die Antwort heißt: Begreife, dass Du mit der Geburt Christi bereits das große Los gezogen hast. Du selbst und alle Menschen dieser Welt. Denn Gott ist nicht nur vor 2000 Jahren in das Leben der Hirten getreten - er steht auch vor deiner Tür und klopft an. Vielleicht hörst du es nicht, weil dein Leben zu laut ist. Vielleicht rechnest du nicht damit, weil du ganz wo anders suchst. Du kannst aber aufhören zu suchen. Er ist bereits da, auch in Deinem eigenen Leben. ER ist bei dir und er ist für dich da, er geht mit dir durch Dick und Dünn, auch über den Heiligen Abend hinaus.

Amen.