Liebe Gemeinde,

Weihnachten hat auch zu tun mit Geschichten, die wir in jedem Jahr gern aufs Neue hören. Gestern haben wir die Geschichte von Jesu Geburt gehört. Vorhin ging es in der Schriftlesung um die Hirten, die alles gesehen und die frohe Botschaft weitererzählt haben; nun fehlt noch die dritte Weihnachtsgeschichte, die von

den Heiligen Drei Königen, die in Wirklichkeit Astronomen aus dem Irak waren, weder Heilige noch Könige, und dass sie angeblich drei gewesen seien, steht nicht in der Bibel. Ohne diese Geschichte würde uns ein wichtiger Bestandteil der Weihnachtsgeschichte fehlen. Wir lesen bei Matthäus im 2. Kapitel:

Als Jesus geboren war zu Bethlehem zur Zeit des Königs Herodes, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.“ Als das der König Herodes hörte, erschrak er er ließ zusammenkommen alle Priester und Schriftgelehrten und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.

Und sie sagten ihm: In Bethlehem; denn so steht geschrieben: »Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«

Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: „Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's, dass auch ich komme und es anbete.“

Danach zogen sie hin. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. 

Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zu gehen, zogen sie auf einem anderen Weg wieder heim.

Danach erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: „Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.“ Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten.

Seit Kindheitstagen kennen wir diese Geschichte, vielschichtig ist sie, und ich möchte uns zu fünf Gedanken einladen.

Erstens: Die Weisen aus dem Irak haben etwas für ihre Zeit Ungeheuerliches getan: Sie haben einem mächtigen Mann den Gehorsam verweigert. Herodes, der König, hatte ihnen ja einen Befehl gegeben: "Sagt mir, wo das Kind ist." Aber die Weisen waren wirklich weise; sie konnten sich denken, was Herodes plante, und sagten ihm nichts. Sie ließen sich den Rückweg von Gott weisen. Für uns heute ist das selbstverständlich, was die Weisen taten - doch Tatsache ist: Sie spielten mit ihrem Leben. Aber sie hatten Gottvertrauen und Zivilcourage. Dass die Weisen Gold, Weihrauch und Myrrhe schenkten, ist nicht so wichtig. Aber dass sie Gott mehr gehorchten als einem Menschen, das macht sie unverzichtbar für das Weihnachtsgeschehen.

Denn sie sind diejenigen, die Jesus hätten verraten können - aber sie taten es nicht. Das führt mich zum zweiten, nämlich zu uns selbst. Natürlich, auch wir hätten Jesus nie und nimmer verraten, damals. Aber tun wir das in unserem Alltag nicht doch? Ähneln wir nicht öfter dem Judas als den Weisen? Nehmen wir einmal das Fest von Jesu Geburt. Was haben wir doch dem Weihnachtsfest angetan! Haben wir es nicht schon längst verraten an die, die Geschäfte machen damit? Letztlich haben wir auch uns selber verraten, indem wir uns etwas Wichtiges weggenommen haben im Wühlen nach Geschenken und in den Vorbereitungen, nämlich die ruhige Advents- und die gnadenbringende Weihnachtszeit. Wie wichtig ist uns Jesus wirklich? Ist er für uns noch der Grund von Weihnachten? Oder ist er nur eine liebliche Begleiterscheinung, weil ein Baby in der Krippe sich so gut macht? Eindeutige Antworten sind gefragt.

Josef und Maria wären sehr verwundert, wenn sie dieses Fest mit uns feiern sollten. Sie hatten damals überhaupt nichts zu feiern, und darum geht es im dritten Gedanken: Von Anfang an wurde Jesus abgelehnt: es gab nur den Platz am Rande, und auch nach der Geburt war Jesu Leben bedroht, von Herodes und seinen Killern, vor denen Josef, Maria und Jesus dann nach Ägypten fliehen mussten. Die Weihnacht damals war also gar keine so stille und heilige Nacht, sondern sie machte klar: Von Anfang an würde diesem Menschen ein kräftiger Gegenwind ins Gesicht blasen. Und das erlebte Jesus ja später auch - bis hin zu seinem Tod am Kreuz. Auch das hat mit uns zu tun. Wie gerne nämlich hätten wir einen Schönwetter-Jesus, bei dem alles so glatt läuft. Und genauso hätten wir es gerne mit unserem Glauben. Aber schon Jesu Geburt sagt uns: Sein Weg war nicht einfach, und für die, die Jesus nachfolgen, gibt es keine Garantie, dass ihr Glaube ihnen alle Lebenswege ebnet. Darum: Lasst uns nicht mutlos werden und auch nicht verzweifeln, wenn wir manchmal schwerere Wege gehen müssen, Jesus ist sie auch gegangen.

Die schweren Wege führen mich zum vierten Gedanken: Gleich nach Jesu Geburt muss seine Familie einen schweren Weg gehen - ins Ausland, darauf angewiesen, dass sie in einem fremden Land Asyl findet und dort eine Zeit lang leben kann. Anscheinend war das damals möglich, ohne dass Josef und Maria Angst vor fremdenfeindlichen Anschlägen haben mussten. Auch das ist ein Teil der Weihnachtsbotschaft: Sie fragt nach der Gastfreundlichkeit. Sie erinnert uns daran, was Jesus später in einem Gleichnis gesagt hat, nämlich, dass er uns auch in einem Fremden begegnen kann.

Diese vier Gedanken halten uns einen Spiegel vor, und vielleicht ist der eine oder andere Blick da hinein ganz schön unbequem. Aber bei all unserer Fehlerhaftigkeit und Unvollkommenheit, die wir in diesem Spiegel erkennen, gehört noch etwas zu Weihnachten, und das ist der fünfte Gedanke: Weihnachten ist eine große und großartige Einladung an uns. Die Einladung, etwas anzunehmen, für das wir nichts bezahlen müssen; ein Angebot von Gott, der uns durch ein kleines Kind in der Krippe sagt: Du, Mensch, mit all deinen Fehlern – du und du und du - du bist mir lieb und teuer. Auch für dich bin ich auf die Erde gekommen, auch dein Leben werde ich hell machen. Hier ist meine Hand, du brauchst nur zuzugreifen.

Amen.