Liebe Gemeinde, und ganz besonders: liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

unsere Kirche sieht wieder einmal wunderbar aus – mit euch als ganz besonderem Schmuck, gereinigt bis in die letzten Winkel durch eure Eltern, den Kirchengemeinderat und unser Reinigungspersonal, mit dem schönen Blumenschmuck, mit den roten Paramenten, die nur drei Mal im Jahr hängen, alles wunderschön. Nur eines

mag für manche etwas gewöhnungsbedürftig sein, und das ist dieses Netz hier vorne.

Wenn wir heute Netz hören, dann denken wir ans Internet, an WhatsApp-Gruppen, an vernetzte Konfis und vernetzte Konfi-Eltern, an Situationen, in denen wir kein Netz haben - aber hier haben wir ein Netz. Freilich, ein anderes Netz. Ein Netz, wie es auch vorhin in der Lesung aus der Bibel vorkam.

Ein Netz im Konfirmationsgottesdienst – es bedeutet nicht, dass die Konfirmandenzeit eine Zeit in Gefangenschaft war, hoffentlich hat das niemand so erlebt.

Tatsache ist: Dieses Netz hat einiges mit Euch zu tun. Es erinnert mich an fünf ganz unterschiedliche Netze, die in eurem Leben eine Rolle spielen:

Es erinnert mich als erstes daran, dass einige von euch begeisterte Fußballer sind, manche haben schon die Karriere beendet, manche sind noch aktiv - und beim KonfiCup im Oktober hat man gesehen, dass alle, auch die anderen Jungs und Mädchen, echt gut kicken können.

Das Netz erinnert mich als zweites daran, wie gut wir miteinander verbunden waren in unserer Konfirmandengruppe. Klar wurde auch mal geschimpft, geärgert oder gezickt, trotzdem: Wir haben eine gute Zeit erlebt miteinander, und da hat Gottes guter Geist kräftig mitgewirkt. Vergesst das nie, wie wichtig das ist, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Gott hat uns nicht dafür geschaffen, in einem Schneckenhaus zu leben. Es ist gut, dass wir zu einer Gemeinschaft, zu einem Netz, dazugehören. Und so, wie niemand aus einem Netz herausfallen kann, so trägt auch euch das Netz. Zum Beispiel euer Freundeskreis; vielleicht eure Schulklasse; vielleicht euer Verein.

Das Netz, das euch in den vergangenen 13, 14 Jahren am meisten Sicherheit gegeben hat, und jetzt komme ich zum dritten, ist heute auch da, hier im Raum (schaut euch mal um): eure Familie. Schaut nur mal hin zu euren Eltern und Geschwistern, zu den Großeltern, Onkels und Tanten: Dieses Netz hat euch am meisten Halt gegeben. Dafür, dass ihr in diesem Netz voller Liebe und Geborgenheit sicher aufgewachsen seid, seid ihr dankbar, ich weiß es – die Dankbarkeit eurer Kinder, liebe Eltern, die war unüberhörbar, als wir uns mit dem Gebot „Du sollst Vater und Mutter ehren“ beschäftigt haben.

Eine Bitte an alle Eltern: Lasst euch nicht einreden, eure Kinder bräuchten euch nicht mehr oder würden schneller selbständig, wenn ihr sie machen lasst. Wer auf solche Worte hört, erschreckend oft gerade in Schulen zu hören, liefert sein Kind aus an ein Leben, in das es erst hineinwachsen muss. Und ihr Lieben hier, wartet bitte mit dem Erwachsen-Sein-Wollen – genießt, dass ihr noch nicht ganz erwachsen seid und noch nicht alles selbst regeln müsst, weil eure Eltern für euch da sind.

Das vierte Netz hat unsere Kirchengemeinde für euch gespannt. Zehn Monate lang seid ihr hierhergekommen, zur Konfigruppe und als treue Gottesdienstbesucher. Ihr habt gemerkt: Hier, in meiner Kirchengemeinde, bin ich safe - hier kann mir nichts passieren. Ihr hattet euren festen Platz. Das will euch für die Zukunft sagen: Hier ist immer Platz für dich – im wahren Sinn des Wortes. Und das gilt für jeden Menschen, egal welchen Alters: Mögen auch Zeiten und Ereignisse uns von der Kirche entfremden – wer den Weg zurückfindet, muss sich nicht erklären, sondern ist ganz einfach herzlichst willkommen.

Das waren vier – ein Netz fehlt noch, die Konfirmation erinnert uns daran: Auch Gott hat für dich ein Netz gespannt. Nicht, um dich einzufangen oder deiner Freiheit zu berauben, sondern damit Du in Ruhe und Sicherheit deinen Weg durchs Leben gehen kannst.

Wenn ihr gemäß eurem Konfirmationsversprechen als Christen zu leben versucht, werdet ihr feststellen: Mein Leben ist weder leichter als das von Anderen noch bin ich ein besserer Mensch. Aber einen großen Unterschied gibt es doch: Wenn ich im Vertrauen auf Gott lebe, da geht es mir wie einem Hochseilartisten: Klar, du kannst fallen, abstürzen. Aber du weißt auch: Unter deinem Leben hat Gott ein Netz gespannt. Und dein Leben lang wirst du nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.

Hier in der Kirche ein Netz– fünf Netze in eurem Leben. Durch sie gibt Gott euch die Kraft, die ihr für euren Lebensweg braucht. Und immer wieder in eurem Leben sollt ihr spüren, wie sich erfüllt, worum ihr von Gott gebeten habt: „Herr, wir bitten: Komm und segne uns“.

Amen.