Liebe Gemeinde, und vor allem: liebe Jubilar/inn/en,

ein Konfirmationsjubiläum, das ist ein Festtag – für Sie und für uns alle als Gottesdienstgemeinde, die wir den Morgen dieses Festtages mit Ihnen teilen und teilhaben dürfen an Ihrer Freude. Freude, die

bestimmt diesen Tag für Sie: Freude über das Wiedersehen, Freude über einen Tag des Feierns, Freude auch bei der Erinnerung an längst vergangene Zeiten:

Am 21. März 1943 war Ihre Konfirmation, liebe Kronjuwelenjubilarinnen. Pfr. Döll aus Freistett hat sie konfirmiert, mitten im Krieg. Viele Familien waren zu Trauerfamilien geworden – auch einige unter Ihnen haben Angehörige verloren.

1948, liebe Gnadenjubilare Jubilare, wurden Sie von Pfr. Reichert konfirmiert. Die wenigsten hatten Geld damals, kurz vor der Währungsreform. Manche tauschten Tabak gegen den Stoff für einen Anzug, einer konnte nicht konfirmiert werden, weil die Eltern nichts hatten.

1953, als Sie, liebe Eisernen Jubilare, von Pfr. Fath konfirmiert wurden, da galt es im Vorfeld noch die Kirche zu putzen – in Arbeitsteilung: die Mädchen putzten, und die Jungen waren die Wasserträger, während der Kirchendiener nachschaute, ob Sie alles richtig machten.

Als Sie, liebe Diamant-Konfirmanden, 1958 konfirmiert wurden, da waren Sie der erste Jahrgang von Pfr. Scheel. Und in Erinnerung bis heute bleibt Ihnen auch die Konfirmandenprüfung.

Sie, liebe Gold-Konfirmanden, wurden 1968 konfirmiert, von Pfr. Wölfle. Damals begannen die wilden 68er – in Rheinbischofsheim trug man noch brav und züchtig schwarz, die Mädchen aber schon leicht kniefrei. Im Mittelpunkt des Unterrichts stand das Konfirmandenbuch, ich habe eines davon gelesen, das war sehr beeindruckend, eine kostbare Erinnerung!

Noch einmal 25 Jahre später, 1993, kamen Sie, liebe Silber-Konfirmanden. Konfirmiert wurden Sie in einer Zeit, in der gerade die ersten Handys auf den Markt kamen, unerschwinglich und kiloschwer. Und wer einen PC hatte, träumte von einer großen Festplatte, das war damals alles, was über 100 Mega-Byte lag.

Die Zeit ist so schnell vergangen! Als Christinnen und Christen dürfen wir über diese vergangene Zeit aber auch sagen, dass Sie in diesen Jahren seit Ihrer Konfirmation von Gottes Segen begleitet wurden; von Gottes Segen, der uns allen bei unserer Taufe verheißen wurde und den wir dann als mündige junge Menschen bei unserer Konfirmation noch einmal ganz aufs Neue zugesprochen bekommen. So dürfen Sie heute die vergangenen 75, 70, 65, 60, 50 und 25 Jahre betrachten als Jahre unter Gottes Segen.

Als dieser Segen Ihnen damals zugesprochen wurde, hier in der Kirche, an diesem Altar, unter diesem Kreuz, da hatten Sie für Ihren restlichen Lebensweg sicherlich Wünsche und Träume. Und die einen haben sich erfüllt, während da und dort der Lebensweg ganz anders verlaufen ist, als Sie es sich als junge Menschen vorgestellt haben.

Gottes Segen ist keine Garantie für ein Leben ohne Sorgen oder Traurigkeiten. Einige von Ihnen haben das erleben müssen. Aber Gottes Segen ist eine Garantie für etwas Anderes. Der segnende Gott, er sagt uns: „Es wird keinen Weg geben, den Du gehen musst, ohne dass ich Dich begleite; es wird keine Stunde vergehen, in der ich Dir nicht ganz nahe wäre; es wird keine Last geben, die ich dir nicht tragen helfe; es wird kein Dunkel geben, das ich dir nicht erhellen werde.“

Weil uns daran – bei allem Glauben – immer wieder Zweifel kommen können, müssen wir nicht auf eine ominöse Macht namens Gott vertrauen; sondern wir dürfen unseren Blick aufheben und hinschauen zu ihm. Wir dürfen, wie es im Hebräerbrief heißt, „aufsehen zu Jesus Christus, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens“. Wir dürfen uns daran erinnern, dass Jesus gesagt hat „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ An allen Tagen – zu Zeiten des Kummers genauso wie zu Zeiten der Freude.

Daher dürfen wir uns die Wege unseres Lebens auch weiterhin von unserem Herrn weisen lassen in der Gewissheit, die die Bibel so beschreibt: „Der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollenden bis an den Tag Jesu Christi.“

So gehen wir zuversichtlich weiter auf unserem Lebensweg, nehmen Brot und die Frucht des Weinstocks mit auf unseren Weg durch die Zeit und singen miteinander sein Lob.

Amen.