Liebe Gemeinde, ganz besonders: liebe Taufeltern,

die kleine Hilda bekommt hate einen Taufspruch aus dem 1. Buch Mose: "Ich bin mit dir und will dich behüten, wohin du auch gehst."

Dass uns jemand behütet - das kennen wir alle: Unsere Eltern haben uns behütet, und das hat uns

Sicherheit für das ganze Leben gegeben. Und Sie als Eltern dürfen sich sagen: Nicht nur wir sorgen uns um Hilda und behüten sie, nein, Gott sagt uns heute am Tag der Taufe: Auch ich trage Sorge für eure Hilda.

Wie ist das mit uns Erwachsenen: Können / wollen wir diesen Satz auch für uns selbst stehen lassen? "Ich bin mit dir und will dich behüten, wohin du auch gehst." Finden wir uns da wieder in diesem Bild? Gott behütet mich - wollen wir so leben?

Von Gott behütet ist das eine - aber wollen das alle: immer und überall umgeben und gehalten, fest-gehalten zu werden von Gott? Umarmt fast bis zur Bewegungslosigkeit?

Wo bleibt da noch unsere menschliche Freiheit?

Für mich ist das eine spannende Frage: Wie viel Spielraum lässt Gott uns Menschen? Wie ist das mit dem Satz: "Frei sind wir, Ja zu sagen oder Nein"? Und was ist, wenn wir unsere Freiheit dazu nützen, um zu tun, was Gott NICHT will?

Da lernen wir von den Kindern: Ihre ersten Lebensjahre sind eine Zeit der Geborgenheit in der Nähe von Mutter oder Vater. Aber irgendwann erwacht in den Kleinen der Freiheitsdrang, und der ist unbändig, oft zum Leidwesen von uns Eltern. Doch Kinder können nur selbständig werden, wenn sie die schützende Hand der Eltern auch mal loslassen und ihre eigenen Erfahrungen machen. Wenn dabei aber mal was passiert, kommen sie ganz schnell von selbst angerannt und vergraben sich in die schützende Nähe ihrer Mutter oder ihres Vaters.

Ich glaube und erlebe an mir selber, dass das mit unserer Freiheit als Christenmenschen ähnlich ist.

Wir kennen Gottes Willen, wir wissen, was wir tun sollen und was nicht, und schlagen doch immer wieder falsche Wege ein, weil unser eigener Wille uns so viel wichtiger ist. Und dann geht es uns oft ähnlich wie Kindern: Erst wenn was passiert ist, erst wenn es fünf vor zwölf ist - erst dann treten wir den Rückzug an und suchen Hilfe und Rettung in Gottes Armen.

Und Gott hilft dann auch. So wie damals der Vater, von dem Jesus im Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählt hat. Der Vater hat nicht gefragt: "Bereust du wirklich? Wirst du dich jetzt ändern?" Der Vater hat einfach die Arme ausgebreitet und sein vom falschen Weg zurückgekehrtes Kind darin festgehalten.

Das ist mit das Wichtigste, das Jesus erzählt hat. Wir haben die Freiheit, eigene Wege zu gehen - und die Freiheit, in Gottes Arme zurückzukehren. Das zu leben und zu erleben, das heißt für mich Christ-Sein.

"Ich bin mit dir und will dich behüten, wohin du auch gehst."

Liebe Tauffamilie, ich wünsche Ihnen, dass Hilda das immer spüren darf - Geborgenheit zu Hause, aber auch Gottes Schutz und Begleitung, wenn ihr Bewegungshorizont sich ausweitet.

Und uns allen wünsche ich die Erfahrung, dass wir bei aller Freiheit immer wieder auch gerne in Gottes Armen die Geborgenheit finden, die uns zu einem guten Leben hilft.

Amen.