Liebe Gemeinde, ganz besonders liebe Konfirmanden,

genau sieben Wochen ist es her, da haben wir hier in der Kirche einen großen Festgottesdienst gefeiert: die Konfirmation. So, wie wir auch in elf Monaten eure Konfirmation hier feiern werden. Bei der Konfirmation im letzten April hing von der Kanzel

ein großes Netz herunter, und dieses Netz stand dann im Mittelpunkt der Predigt.

Auch heute werde ich wieder über ein Netz predigen. Allerdings nicht, weil mir nichts Neues einfallen würde; sondern, weil es im Lukasevangelium eine ganz wichtige biblische Erzählung gibt, die gut an den Beginn der Konfirmandenzeit passt:

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth.
Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.
Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!
Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.
Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.
Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.
Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.
Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,
ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

“Von nun an sollst du Menschen fischen”, hat Jesus zu Petrus gesagt. Damit meinte Jesus: Petrus sollte Menschen gewinnen, die sich Jesus anschlossen. Und diesem Auftrag ist Petrus sein Leben lang nachgekommen, seit der Geschichte mit dem Netz. Das Netz erinnert uns also daran, dass immer wieder Menschen eingeladen werden, ein Leben im Vertrauen auf Gott und Jesus zu führen.

Zu diesen Eingeladenen gehört auch ihr jungen Menschen. Eure Taufe ist - bei den meisten - schon eine Weile her; eine Taufe, nämlich deine, Sven, werden wir in unserer Konfirmandenzeit noch erleben. Ob getauft oder nicht, eure Eltern haben euch auf den Weg des christlichen Glaubens gestellt, - und nun sollt ihr selbst herausfinden, ob ihr zu diesem Weg Ja sagen wollt oder nicht. Für diesen Weg spielt das Netz eine wichtige Rolle:

So ein Netz ist ja etwas Bedrohliches: Denn für einen Fisch, der ins Netz gegangen ist, hat das letzte Stündlein geschlagen. Aber ihr sollt euch nicht als Gefangene des Pfarrers oder der Kirche fühlen. Ihr sollt eure Konfirmandenzeit nicht als Zwang erleben. Im Gegenteil: Wir Christen sind wunderbar freie Menschen, und es wäre schön, wenn ihr dies in eurer Konfirmandenzeit erlebt. Dabei kann uns das Netz helfen, mir sind drei Gedanken gekommen:

  1. So ein Netz kann Sicherheit geben. Man liegt wie in einer Hängematte - bequem und sicher. Denn die Knoten sind dicht und fest geknüpft - genauso fest wie Gottes Versprechen, dass er für uns Menschen da ist.
  2. Alle im Netz gehören zusammen. Das soll auch in der Konfirmandengruppe so sein: Ihr kommt aus verschiedenen Häusern, habt verschiedene Interessen, geht auf verschiedene Schulen - aber in den elf Monaten unserer Konfirmandenzeit werden wir erleben, dass wir bei aller Verschiedenheit doch zusammengehören, weil Gott uns durch die Taufe zu einer Gemeinschaft berufen hat.
  3. Noch etwas ist an so einem Netz wichtig: Es ist offen. Wir können durchschauen, uns wird nicht die Luft abgeschnitten. Genauso wird in unserer Konfirmandengruppe viel Platz sein für Luft von außen und den Blick nach draußen: Ihr werdet nicht einfach kirchliche Themen übergestülpt bekommen - sondern das, was euch beschäftigt und interessiert, das wird auch Teil des KU sein.

Und es wäre schön, wenn am Tag der Konfirmation viele von euch gute Erfahrungen mit dem Netz gemacht haben, weil sie gemerkt haben, dass Gott, der das Netz ausgeworfen hat, will, dass es uns gut geht.

Natürlich gilt das, was ich über das Netz gesagt habe, nicht nur für euch Konfirmand/inn/en. Es gilt genauso für uns Erwachsene. Für uns alle ist in diesem Netz Platz, alle können wir hier Halt finden. Klar, die Zeiten haben sich gewandelt, die Kirchen sind leerer, vielen ist Anderes wichtiger am Sonntagmorgen. Vielleicht haben auch viele von uns, die wir heute da sind, das so erlebt. Und gerade deshalb möchte ich das in aller Deutlichkeit sagen: Für jeden und jede von uns ist zu jedem Zeitpunkt hier in der Kirche Platz. Und auch wer nur ein seltener Gast ist – wer nach langer Zeit wieder hierher in die Kirche kommt, muss nicht erklären, wo er die letzten Jahre gesteckt hat. Denn auch wir Erwachsene sind in jenem dichten Netz geborgen, gehören dazu zur große, großen Gemeinschaft der geliebten Kinder Gottes.

Und wir dürfen anderen von diesem Netz erzählen, sie einladen in diese Gemeinschaft und so dazu beitragen, dass wieder mehr Menschen dieses Netz als Ort der Geborgenheit erfahren. Und so kann selbst in diesen gottfernen Zeiten die gute Botschaft sich wieder ausbreiten, so wie auch ein Stein, der ins Wasser fällt, immer weitere Kreise zieht.

Amen.