Liebe Gemeinde, ganz besonders: liebe Tauffamilie,

binnen einem Vierteljahr ist das nun schon der siebte Gottesdienst, in dem Kinder getauft werden. Das ist ein ganz besonderer Segen für uns als Gemeinde – und für den Pfarrer wird es immer schwerer, denn

der muss sich ja immer neu überlegen, was er predigt: über die Taufe, anspruchsvoll genug für Erwachsene, aber auch für Kinder ertragbar. Und da könnte einem Pfarrer in der Tat der Stoff ausgehen…

Aber da gibt es ja noch euch beiden Kinder, Lena und Hannes, und ihr habt mir genug Stoff für die Predigt geliefert. Wie das? Ganz einfach: über eure Namen. Denn ihr tragt die Namen zweier Menschen, mit denen Jesus jeweils etwas ganz Besonderes verbunden hat.

Da ist zum einen Lena, genauer: Lena Marie. Lena ist eine Kurzform für Magdalena, also Magdalena Marie, und wenn ich die beiden Namen jetzt tausche, dann habe ich Maria Magdalena. Sie war Jesu engste Vertraute, wird in der Bibel namentlich als Jüngerin Jesu genannt. Maria Magdalena ging mit Jesus durch dick und dünn, ging selbst den schwersten Weg mit, den Weg unters Kreuz. Alle Jünger waren geflohen – Maria Magdalena ließ ihn nicht alleine. Und ausgerechnet sie, die diesen dunkelsten Moment miterleben musste – sie war diejenige, die als erste dem Auferstandenen begegnete.

Lena Marie und Maria Magdalena, eine Aufforderung und eine Verheißung für alle Christen. Zuerst die Aufforderung, die heißt: Wenn es schwierig wird, dann renn nicht weg. Habe den

Mut zum Durchhalten! Gehe auch dorthin, wo es weh tut! Lass dich im Glauben an Jesus nicht beirren! Und dann die Verheißung: Es gibt Momente, da erleben wir das gleiche wie Maria Magdalena: Da ist uns auf einmal Jesus ganz nahe. Manchmal begreifen wir es nicht gleich, aber oft wird uns das gerade auch im Rückblick klar.

Und dann wird auch der Blick nach vorne zuversichtlich, wie es auch der irische Segensspruch ausdrückt, den Sie, liebe Eltern, Ihrer Lena mit auf den Weg geben: „Möge die Straße dir entgegeneilen, möge der Wind immer in deinem Rücken sein, möge die Sonne warm auf dein Gesicht scheinen und der Regen sanft auf deine Felder fallen.“

Für ihren Weg durch das Leben sagt dir, Lena, dein Taufspruch aus dem 1. Buch Mose: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir und will dich segnen.“

Und jetzt komme ich zum Hannes, eine schöne Kurzform des Namens Johannes. Hannes wird getauft am heutigen 24. Juni, dem Tag Johannes, des Täufers.

Johannes war ein mutiger Mensch. Er hat in Israel gelebt, kurz vor Jesu Wirken hat er die Menschen an Gottes Willen erinnert, mit deutlichen Worten. Er hat den Mund aufgemacht gegen das Unrecht und die Gottlosigkeit. Und er hatte keine Angst – weder vor dem mächtigen König Herodes noch vor denen, die Gottes Wort so drehten, wie es ihnen passte.

Johannes der Täufer, heute am Johannistag denken wir an diesen mutigen Menschen. Und so einer möge auch der kleine Hannes werden. Sie haben für ihn einen schönen Text gefunden, der das aufgreift: „Sei aufrecht wie ein Baum, sei stark wie ein Fels, sei sanft wie der Sommerwind und trage die Wärme der Sonne in deinem Herzen.“

Dazu passt auch das Bibelwort aus dem 1. Timotheusbrief, das Hannes als Taufspruch bekommt: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Gebe Gott, dass wir uns alle ein Beispiel an dem biblischen Johannes nehmen und uns trauen, den Mund aufzumachen, gegen Unrecht, gegen Menschenverachtung, gegen Angstmacher jeder Art.

Zwei Kinder, zwei Namen, zwei biblische Vorbilder: Sie erinnern uns an etwas, das wir nicht vergessen dürfen: Christ sein ist nicht immer leicht, aber es liegt ein großes Versprechen Gottes darauf, nämlich: „Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt.“

Amen.