Liebe große Gottesdienstgemeinde, liebe Abiturienten,

vor ein paar Wochen habe ich in der Gottesdienst-Vorbereitungsgruppe gefragt, worum es eigentlich heute bei der Predigt gehen soll. Antwort: über Berge. Da freut sich natürlich das Bergsteigerherz in mir. Aber ich glaube nicht,

dass für euch die Berge die Traum-Urlaubsregion darstellen.

Euer Bezug zu den Bergen ist zunächst einmal der, dass ihr gerade einen Berg bezwungen habt: Es lässt sich ja die ganze Schulzeit gut mit einer Bergtour vergleichen – beginnend in flachem Gehgelände, später wird’s steiler und mühselig und dann geht’s hoch zum Gipfel. Manche von euch waren durch besondere Lernleistungen schon vor einer guten Woche dort, für manche war am Mittwoch dann der Gipfel nicht anstrengender als ein Spaziergang auf die Hornisgrinde – für manche allerdings war ja fast noch einmal der Mount Everest zu besteigen in dieser Woche. Und: Alle sind am Gipfel angekommen, das feiern wir heute ganz kräftig – und wir dürfen heute wortwörtlich sagen: „Gott sein Dank!“

So, jetzt steht ihr also auf dem Gipfel, und da oben zu stehen ist immer verbunden mit einem ungemein tiefen Glücksgefühl.

Aber da oben kann man nicht bleiben. Morgen, nach dem Fest, geht es wieder in die Niederungen, und da werdet ihr feststellen, dass ihr euch gar nicht mehr alle in die gleiche Richtung bewegt: Die einen gehen in Urlaub, andere relaxen, wieder andere gehen Arbeiten oder bereiten ihre Zeit im Ausland vor. Ganz unterschiedliche Wege, die vor euch liegen – und über die Wege unseres Lebens sagt die Bibel zum Beispiel: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein lenkt seinen Schritt.“ Das werdet auch ihr erleben. Viele von euch haben einen Plan für ihr Leben. Manchmal wird er aufgehen. Manchmal auch nicht. Aber welche Wege auch das Leben euch führt – es sind gesegnete Wege – Wege unter Gottes Geleit.

Und immer wieder werden euch auf eurem Lebensweg Berge begegnen. Sie werden euch im Weg stehen – manchmal wird es euch gelingen, sie zu umgehen. Manchmal müsst ihr oben drüber. Und das wird mitunter auch recht mühsam werden. Es geht nicht ohne Berge – unser aller führt uns hoch und runter, mühsame und bequeme Passagen wechseln – und irgendwann nach vielen Jahrzehnten sind wir über alle Berge, kommen an das Ziel.

Drei Wünsche begleiten euch, es sind auch die Wünsche der ganzen Schule und eurer Eltern:

Erstens: Ich wünsche euch, dass ihr eure Wege nicht alleine geht, sondern Weggefährten habt. Der Mitmensch, später der Lebenspartner / die Lebenspartnerin, ist ein wunderbares Geschenk Gottes an uns, geht mit diesem Geschenk sorgsam um.

Als zweites wünsche ich euch, dass ihr euch auf den Bergen eures Lebens Zeit lasst. Denkt oben nicht schon an den nächsten Gipfel, sondern lasst euch Zeit zum Schauen und Genießen. Lachen hat seine Zeit, Freuen hat seine Zeit, Tanzen hat seine Zeit, sagt die Bibel. Und hat Recht.

Als drittes wünsche ich euch, dass ihr die Gewissheit entweder behaltet oder findet, die aus dem alten Psalmwort spricht: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen.“

Gottes Segen wird euch begleiten, ob ihrs glaubt oder nicht.

Amen.