Liebe Gemeinde, ganz besonders: liebe Tauffamilie,

 

Sie haben für Hanna einen Taufspruch ausgesucht, der nicht in der Bibel steht, sondern

im Gesangbuch, wir haben ihn gerade gesungen:

"Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist mit uns am Abend und am Morgen

Und ganz gewiss an jedem neuen Tag."

Das steht, wie gesagt, nicht in der Bibel – aber dieses Gedicht von Dietrich Bonhoeffer enthält genau so viel Gottvertrauen wie die anderen Psalmen, aus denen normalerweise unsere Taufsprüche stammen.

Von guten Mächten wunderbar geborgen – ja, Geborgenheit ist wichtig für jedes Kind. Eine Zuflucht, ein Ort, an dem es sicher ist. Zumal gerade kleine Kinder einer Menge möglicher Gefahren ausgesetzt sind: Sie können irgendwo herunterfallen. Oder sich den Kopf anschlagen. Oder neugierig auf das Innenleben einer Steckdose werden – Sie haben ja so einen Techniker…

Gefährlich werden für kleine Kinder kann auch ein Bach. So wie bei Ihnen der Holchenbach, der direkt ans Grundstück grenzt. Sie haben erzählt, dass Sie jetzt einen Zaun bauen. Gut so. Das schützt die Kinder und Ihre Nerven. Ein Zaun, der vor Gefahren bewahrt.

Ich habe mir dann weiter überlegt: Wie ist das eigentlich bei uns Erwachsenen? Gibt es um unser Leben auch einen Zaun? Brauchen wir den? Wollen wir den?

Wir sind ja allesamt sehr freiheitsliebend, lehnen in der Regel alles ab, was uns beschränkt. Wollten Sie, wolltet ihr in einem umzäunten Bereich leben? Bestimmt nicht.

Und doch ist es so. Um unser Leben herum hat Gott auch eine Art Zaun gebaut. Aber nicht, um uns einzuengen. Sondern zu unserem Schutz.

Bei unserer Taufe hat Gott versprochen: Ich lasse dich nicht alleine. Ich kann dich zwar nicht davor bewahren, dass du auch Schweres erlebst. Aber wenn du innerhalb des Zaunes bleibst, dann bleibst du verschont von vielen falschen Entscheidungen und Irrwegen.

Gottes Schutzzaun um unser Leben, der ist gebaut aus Gottes Geboten und Versprechen. So lange wir innerhalb des Zaunes sind, ist vieles gut. Aber wir wollen ja nicht immer eingezäunt, eingeschränkt leben. Und da kommt uns nun etwas Wichtiges entgegen: Gottes Schutzzaun hat – im Gegensatz zu Ihrem Zaun - etwas ganz Wichtiges: eine kleine Tür, die nie verschlossen ist.

Gott hat uns nicht angekettet. In Freiheit dürfen wir jeden Tag, jede Stunde selbst entscheiden, ob wir innerhalb des Schutzzaunes bleiben oder nicht. Oft lockt die offene Tür. Oft verlassen wir dann die geschützte Seite, weil es auf der anderen Seite ganz schön interessant ist. Doch es kommt nicht selten vor, dass uns auf der anderen Seite etwas Übles widerfährt; oder dass wir selbst gewaltige Fehler machen.

Und dann?

Dann hören wir mit Sicherheit NICHT Gottes Stimme nach dem Motto: „Ich habe es dir ja gleich gesagt…“ Gott sagt eher: Komm zurück zu mir, du weißt ja, wo die Türe ist; und dass sie nicht abgeschlossen ist, weißt du auch.“

Ein Zaun am Holchenbach – Stoff für eine ganze Predigt…

Wenn der Zaun dann einmal fertig ist, denken Sie ab und zu mal an den Schutz-Zaun, den Gott um Ihr Leben gelegt hat: Wir haben Gott bei Ihrer Trauung von vier Jahren darum gebeten; dann bei Elias Taufe und heute wieder bei Hannas Taufe.

Und wir Anderen alle sind ebenfalls eingeladen, die Sache mit dem Zaun nicht zu vergessen. Gottes Versprechen gilt uns allen - wir dürfen uns daran erinnern bei jedem Zaun, den wir entlanglaufen.

So gehen wir weiter auf den Wegen unseres Lebens auf beiden Seiten des Zauns und dürfen wissen: Wo auch immer wir sind, was auch immer die Zeit mit sich bringt – unsere Zeit steht in Gottes Händen.

Amen.