Liebe Gemeinde, und ganz besonders: liebe Tauffamilien,

wir feiern die Taufe eurer Kinder heute am 15. Sonntag nach Trinitatis. Wie jeder Sonntag, hat auch der heutige einen Wochenspruch, den wir im 1. Petrusbrief finden und der so lautet: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“

Passt das überhaupt, an einem Fest-Tag im Leben der Familie von Sorgen zu reden? Sollte

an einem Tauftag nicht Raum sein zur Freude, und damit fertig? – Nun, Raum genug für die Freude ist ja da. Aber ich kenne keinen Menschen, der zu 100% frei von Sorgen wäre. Und auch die Freude über Kinder befreit einen ja nicht von Sorgen.

Ich kann mich noch gut erinnern wie das war vor 18 Jahren, als meine Frau mir erzählt hat, dass sie mit Jonas schwanger ist. Unbändige Freude und Dankbarkeit hat mich damals erfüllt! Doch dann war sofort noch ein ganz anderes Gefühl da: und das war die Sorge. Zuerst die Sorge um die Gesundheit des Kindes und der werdenden Mama. (Ein Mann, der erstmals Vater wird, hält eine Schwangere ja für ernsthaft erkrankt.) Dann war das Kind da – gesund, Gott sei Dank! Die Sorge war aber nicht weg. Wird es sich auch normal entwickeln? Die erste Erkältung – wird das Kind bald wieder gesund? Kindergarten, Schule – immer sorgenvolle Fragen, bis heute. Offenbar machen Eltern sich ein Leben lang Sorgen, auch wenn die Kinder schon lange erwachsen und selbständig geworden sind.

Wenn zum Eltern-Sein also auch das Sorgen gehört, dann passt der Wochenspruch sehr gut zu unserem Taufsonntag heute: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“

Nun muss es ja nicht beim Sorgen bleiben. Eltern sein, Mutter und Vater sein, ist ja nicht nur etwas Belastendes, sondern so ziemlich das Schönste, was das Leben für uns bereithält. Klar, die Sorgen laufen mit, durch die Kindheit, durch die Jugendzeit, aber sie müssen uns nicht zur Last werden, wenn wir das tun können, wozu der Wochenspruch uns auffordert: Werft eure Sorgen auf Gott! Was euch Kummer macht, werft es Gott vor die Füße, dort ist es gut aufgehoben.

Aber wie geht das genau? Wie werfe ich meine Sorgen auf Gott? Es fügt sich heute wunderbar, dass gerade die Taufsprüche der beiden Mädchen uns wertvolle Wegweiser dorthin sind.

Ich beginne mit Elenas Taufspruch aus dem Matthäusevangelium, das uns die Worte Jesus überliefert: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan!“

Da werden wir an etwas erinnert, das untrennbar zu unserem Glauben dazugehört: das Beten. Beten ist keine religiöse Pflicht. Beten ist eine einzigartige Möglichkeit, Gott mit ins Boot meines Lebens zu nehmen. Es gibt nichts, worum wir Gott NICHT bitten dürften; und ich bin überzeugt, dass es nicht eine Bitte gibt, die Gott nicht hören würde. Dass Gott allerdings alle unsere Bitten erfüllt, kann man nicht behaupten. Gott ist kein Wunschonkel, der auf Knopfdruck unsere Wunsch-Bestellungen erfüllt. Aber Gott gibt uns, was er für uns für das Beste hält. Das ist manchmal nicht leicht zu begreifen, aber ich glaube, dass Gott uns dereinst vieles erklären wird.

Nicht zu vergessen: Wir haben doch alle auch schon erlebt, wie sich erfüllt hat, worum wir Gott gebeten haben: zig Mal, hundert Mal, tausend Mal! Aber das entbindet uns nicht davon, auch selbst etwas zu tun. Deshalb hat Jesus gesagt: „Suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan!“

Ein wenig eigenes Zutun verlangt Gott schon uns. Unsere Bitte um Frieden in der Welt fruchtet nichts, solange wir unserem Nachbarn gegenüber unversöhnlich bleiben; deine Bitte um Gesundheit kann ich vergessen, solange du eine Schachtel am Tag rauchst; meine Fürbitte für die Armen ist nutzlos, wenn ich selbst nicht zum Teilen bereit bin.

Unser eigenes Dazutun ist also gefragt – und Gottvertrauen. Von diesem Gottvertrauen erzählt uns Milas Taufspruch aus dem 1. Buch Mose: „So spricht der Herr: ‚Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.‘“

Genau das erleben Mila und Elena ja gerade, dass sie gehalten werden, dass sie nicht herunterfallen können, dass sie nicht alleine sind, sondern immer jemand in der Nähe ist. Wenn sie sich einsam fühlen, schreien sie. Und dann erleben sie, dass jemand ganz für sie da ist. Ein wunderbares Bild dafür, wie Gott für uns alle da ist. Er lenkt nicht jeden unserer Schritte, er führt uns nicht jede Sekunde an der Hand. Gott lässt uns die Freiheit zu eigenen Schritten. Aber Gott bleibt in der Nähe. Wenn wir zu Gott rufen, wenn wir nach ihm schreien, dann lässt er uns seine Nähe spüren. Und da erkennen wir manchmal in den aussichtslosesten Momenten: „Ich kann nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand“.

„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan!“

Und: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“

Die Taufsprüche zweier kleiner Mädchen erinnern uns heute wieder an die großartige Überschrift, die über dem Dasein eines jeden Christenmenschen steht. Sie heißt: „Von guten Mächten wunderbar geborgen.“

Amen.