Liebe Gemeinde, und ganz besonders: liebe Tauffamilien,

zur Taufe eines jeden Kindes gehört, wie wir es auch vorhin gehört haben, die Selbstverpflichtung der Eltern und Paten, ihre Kinder christlich zu erziehen. Aber wie erzieht man ein Kind christlich? Was ist das überhaupt?

Früher war diese Frage

leichter zu beantworten als heute: Denn in unserer Gesellschaft gibt es leider fast keine gemeinsamen Werte mehr. Und es stehen wichtige Fragen im Raum: zum Beispiel, nach welchen Werten eigentlich wir Erwachsene leben. Und: Nach welchen Werten erziehen wir – Eltern, Paten, Großeltern – die uns anvertrauten Kinder? Orientierung in unserer Gesellschaft finden wir nicht, denn die ist am Auseinanderfallen, und die Welt, in die hinein wir unsere Kinder gebären, wird immer undurchschaubarer. In diesem Durcheinander von Werten und Meinungen hat die Kirche eine wichtige Aufgabe: den Menschen, die an Gott glauben wollen, den Weg zu weisen. Es gibt so wert-volle Wegweiser in der Bibel, von dreien will ich jetzt kurz erzählen:

Wegweiser 1: „Du sollst Gott lieben und deinen Mitmenschen wie dich selbst.“ Dieses so genannte Dreifachgebot der Liebe sagt uns: „Du lebst in Verantwortung vor Gott, du hast Verantwortung für deine Mitmenschen – und Du hast Verantwortung für Dein eigenes Wohlergehen, Du darfst dir auch einmal selbst das Wichtigste sein.“ Wenn wir das beherzigen könnten – wir würden in einer Welt leben, in der es keine Gottlosigkeit gibt, keinen Egoismus und kein Burnout. Warum leben wir trotzdem nicht danach?

Wegweiser 2: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen auch.“ Als die „Goldene Regel“ bezeichnet man diesen Satz Jesu aus der Bergpredigt. Er lädt uns ein, bei allem, was wir tun und sagen, auch einmal die Perspektive zu wechseln und darüber nachzudenken: Wie sieht das jetzt aus der Sicht meines Gegenübers aus?

Es klingt so einfach, und ist doch so schwer.  Oder schafft das jemand von uns, mitten in einem heftigen Krach, wenn die Fetzen fliegen, zu sagen: „Ok, ich will das Ganze jetzt einmal aus deiner Perspektive betrachten“?

Wegweiser 3 finden wir im Johannesevangelium: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Mit diesen Worten erinnert Jesus uns daran, dass wir unser Leben genießen und uns des Lebens freuen dürfen. Aber das ist nicht alles. Irgendwann wird unser Leben zu Ende sein, Jesu Versprechen aber immer noch gelten: ein neues, unbekümmertes Leben ohne Nöten und Dunkelheiten wartet auf uns.

Zwei zusätzliche Wegweiser bieten sich uns heute noch in Gestalt der Namen eurer Kinder, liebe Tauffamilien.

„Adrian“ kommt von Hadrian, und der war der letzte römische Kaiser, der noch Neuland eroberte. Liebe Eltern von Adrian, ermutigt euren Buben, immer wieder Neuland zu erobern; ermuntert ihn, dass unter Christen ein Satz nicht gilt, nämlich „Es war schon immer so und wurde schon immer so gemacht.“ Gott hat uns ein wunderbares Leben geschenkt, und in diesem Leben müssen wir nichts kopieren, sondern dürfen eigene Wege suchen und gehen.

Und dann haben wir noch die Nora – der Name kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Gott ist mein Licht“. Liebe Eltern von Nora, ermutigt eure Kinder, dass in ihrem Leben ein helles Licht leuchtet. Und je dunkler es manchmal im Leben wird, desto heller leuchtet das Licht. Ich wünsche Nora und allen Kindern, dass sie aus diesem Gottvertrauen ein Leben lang Mut und Stärke beziehen.

Die drei biblischen Wegweiser, die Namen der Kinder – sie erinnern uns alle daran, was Gott für uns will: ein Leben, das uns und Anderen Freude bereitet und das auch dann noch schön ist, wenn die dunklen Wolken von Angst, Sorgen und Nöten die Sonne verdecken.

In dieser Gewissheit dürfen wir in die neue Woche gehen.

Amen.