Liebe Gemeinde, und ganz besonders: liebe Tauffamilien,

 

nirgendwo wird deutlicher als bei einer Taufe, was das heißt, dass Gott uns liebt. Nichts haben diese Kinder dazu getan, nichts mussten sie leisten - und doch werden sie

vom ersten Tag an geliebt: von ihren Eltern und Familien, und von Gott. Taufe - das bedeutet: Einem Menschen wird gesagt: Gott liebt dich, du bist unendlich wertvoll.

Gott liebt dich, auch wenn du ihm nichts dafür geben kannst - dieser Satz gilt uns von klein auf unser Leben lang. Gottes Gnade nennt das die Bibel. Gnade - dieses Wort kommt unserem Sprachgebrauch nur ganz selten vor. Aber so ungefähr wissen wir doch, was Gnade bedeutet: ein gutes Ende; Gnade statt Recht; ein Gott, der mit uns geht durch dick und dünn; ein Gott, dessen Liebe auch da noch kein Ende hat, wo Menschen schon lange nicht mehr nach ihm fragen.

Wahrscheinlich können wir Menschen uns auch nicht ansatzweise vorstellen, wie umfassend und wie gewaltig Gottes Gnade ist - bis wir sie an uns selbst erfahren. Aber wer Gottes Gnade erlebt und erfahren hat, der muss von ihr erzählen. Doch wer macht das schon? Wer preist Gott für seine Güte im Alltag? Und wer preist und lobt Gott so, dass man das hört?

Eigentlich, liebe Gemeinde, müssten in einem Gotteshaus die Türen und Fenster offenbleiben, damit man es hört, wenn Gottes Gnade gepriesen wird. Und eigentlich müssten wir alle, die wir Gottesdienst feiern und von Gottes Gnade leben, auch in unserem Alltag mehr davon reden, und das nicht nur untereinander, sondern gerade auch mit Menschen, die mit dem Glauben nichts mehr oder noch nichts anfangen können.

Das ist mir vor einigen Jahren bewusst geworden: Da saß ich zu Besuch bei meinem ehemaligen Lateinlehrer und bei seiner Frau, die wir in Deutsch gehabt hatten. Wir unterhielten uns über Kirche und Mission und da sagte die Lehrerin etwas, was mir nicht mehr aus dem Kopf geht: "Wenn sich jemand in der Wüste befindet und weiß, wo die Oase ist, der muss die anderen dort hinführen." Dieser Satz saß. Und seither denke ich mir: Ja, es ist wirklich so. Wir müssen uns wieder daran erinnern, dass das Christentum mit einem Auftrag Jesu begonnen hat: "Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker!" Im KU lernen wir es gerade auswendig, und das mit gutem Grund. Christsein und Mission, an Gott glauben und diesen Glauben weiter erzählen, das sind wir unseren Mitmenschen schuldig.

Das beginnt im Kleinen – liebe Eltern und Paten: Erzählt eurer Lilly von Gott! Und das setzt sich fort in unserem Alltag, an Arbeitsplätzen, in Freundeskreisen und in Vereinen

Liebe Gemeinde, wir haben eine Verantwortung für die in der Wüste. Wir wären selber noch in unseren Lebenswüsten, wenn andere uns nicht zum Glauben gebracht hätten. Ich meine, wir können dieser Verantwortung nachkommen. Man könnte ja unter der Woche zu jemandem sagen: "Ich gehe am Sonntag zum Gottesdienst und würde dich gerne mitnehmen."

Vielleicht kann so ein Gespräch für einen anderen Menschen der erste Schritt zum Glauben werden - wie ein Stein, der ins Wasser fällt und seine Kreise zieht.

Amen.