Liebe Gemeinde,

über den Frieden predigen - das geht eigentlich fast nicht.

Den Frieden kann man erbitten, für den Frieden kann man einstehen, den Frieden kann man zu stiften versuchen, aber

über den Frieden zu reden, das hieße: das zerreden, was die Welt so dringend braucht; das zerreden, was wir selber so dringend brauchen.

Denn die friedlose Welt - die ist nicht nur irgendwo da draußen.

Der Unfriede beginnt bei uns selbst, durch uns selbst, in uns selbst.

So sind wir heute zusammen als Menschen, die an Jesus Christus glauben, der der Friede war; als Menschen, die den Frieden wollen und manchmal das Gegenteil bewirken. Zu sagen, so sind wir halt nun mal, das bringt nicht weiter. Das bringt auch den Frieden nicht näher.

Aber was uns guttut, ist, wenn wir in der Bibel auf Menschen stoßen, die den Frieden gesucht, gestiftet, gerettet haben. Die Bibel, Gottes Geschichte mit den Menschen, sie erzählt uns in immer wieder neuen Geschichten, dass Friede möglich ist. Und dass es zu allen Zeiten Menschen gegeben hat, die zu Friedensstiftern wurden.

Die Kette dieser Friedensstifter ist lang.

Abraham ist der erste. Er und sein Neffe Lot stehen unmittelbar vor dem Streit, doch der Friede wird gerettet, weil Abraham auf sein gutes Recht verzichtet.

Auch Josef gehört zu den Friedensstiftern. Seine Brüder haben ihn verraten und verkauft, und eines Tages stehen sie vor ihm als Bittsteller, als Menschen, die IHN brauchen. Der Tag der Rache scheint gekommen. Aber Josef entscheidet sich für den Weg des Friedens, und der führt über die Vergebung zur Versöhnung.

Der König David ist ebenfalls ein Friedensstifter. Saul, der ihm nach dem Leben getrachtet hat, liegt plötzlich direkt vor ihm, in Stichweite. Das Messer würde in Bruchteilen von Sekunden alles zu Davids Gunsten entscheiden. Aber David will nicht den Weg der Gewalt. Er weiß, dass Gewalt nur neue Gewalt nach sich ziehen; der Weg zum Frieden ist beschwerlicher.

Auch das Neue Testament zeigt uns, wie Menschen Frieden stiften können:

Hananias zum Beispiel. Er soll den Christenverfolger Saulus von seiner Blindheit heilen - den Hingefallenen, dem es doch gerade recht geschieht. Aber in diese Gedanken hinein wird dem Hananias das Wesentliche gezeigt: dass auch der vermeintliche Feind ein Geschöpf Gottes ist und dass Feinde einander zu Brüdern und Schwestern werden können.

Nicht zu vergessen Paulus und Petrus. Zwischen den beiden Aposteln kommt es zu Streit um die Mission. Und sie erkennen, dass nur ein Weg zum Frieden führt: der Weg der Trennung. So gehen sie getrennte Wege, aber einer weiß vom anderen, einer betet für den anderen, und 30 Jahre später erst kreuzen sich wieder ihre Wege, in Rom, wo sie beide den Märtyrertod sterben.

Alle diese Friedensstifter aber werden überstrahlt und verblassen, wenn wir unseren Blick auf den richten, der der Friede war und bis heute ist: Jesus, der Christus. Er ließ seinen Friedensworten unglaubliche Taten folgen: Den Knecht eines feindlichen Hauptmannes heilte er. Petrus tadelte er, weil der mit Gewalt Jesu Gefangennahme verhindern wollte. Und am Kreuz betete er für seine Henkersknechte: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

Es gibt kein Rezept zum Frieden. Aber die Bibel erinnert uns an Menschen, die den Weg des Friedens beschreiten konnten, weil sie ihr Recht hergaben, vergeben konnten, auf Gewalt verzichteten, offen für Versöhnung waren, Trennungen aushielten und im anderen Gottes Mitgeschöpf erkannten.

Und in Jesus wurde ein für alle Mal Wirklichkeit, was wir bis heute einander zusprechen dürfen: Friede ist möglich. Friede ist Gottes Wille. Wille des Gottes, der uns durch den Propheten gesagt hat: "Ich weiß, was für Gedanken ich über euch habe: Gedanken des Friedens und nicht des Unheils. Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben."

Gebe Gott, dass wir einer friedlichen Zukunft entgegengehen.

Amen.