Liebe Gemeinde,

Weihnachten hat ganz viel zu tun mit Lichtern. Sie erinnern uns an den Stern, der damals den Weg nach Bethlehem gewiesen hat. - Ich will jetzt auch vom Weihnachtsstern erzählen - von einem anderen freilich als dem, den wir aus der Bibel kennen.

Dieser Weihnachtsstern ist

einer, wie wir ihn in der Adventszeit überall kaufen können. Einen solchen bekam ein zehnjähriger Junge von seiner Tante geschenkt. Er freute sich über die bunten Blätter und gleich am ersten Abend goss er den Weihnachtsstern reichlich - bis das Wasser unten wieder herauslief. Der Weihnachtsstern überstand die Gießaktion gut und stand am nächsten Morgen in seiner bunten Pracht da. Am nächsten Tag konnte der Junge sich nicht um die Pflege der Pflanze kümmern, da er Hausaufgaben zu machen hatte. Am Tag darauf war er bei seinem Freund, später hatte er auch wieder keine Zeit, bald hatte er den Weihnachtsstern ganz vergessen und bemerkte gar nicht, dass die Blätter immer kraftloser nach unten hingen und die rote Farbe langsam verblasste.

Kurz vor Heiligabend, als das ganze Haus geputzt wurde, räumte der Junge sein Zimmer auf. Und da entdeckte der Junge den Weihnachtsstern. Aber: War das noch ein Weihnachtsstern? Was ein paar Wochen zuvor noch grün und rot geleuchtet hatte, war zu einem braunen und verdorrten Etwas geworden. Der Junge erschrak: Was würde die Patentante sagen, wenn sie den Weihnachtsstern (bzw. was von ihm übriggeblieben war) erblicken würde? Würde sie dann die Geschenke wieder mit nach Hause nehmen? Soweit wollte er es gar nicht kommen lassen. Und da hatte er auch schon eine Idee: Er schlich in den Keller und holte eine Gießkanne - nicht die kleine, sondern die große, die für die Gartenpflanzen im Sommer. Denn dass der Weihnachtsstern einer Sonderbehandlung bedurfte, das lag auf der Hand. Den Weihnachtsstern samt Topf stellte er in eine große Schüssel und begann dann, das kümmerliche Gewächs zu gießen. Er goss es nicht, nein, er badete es. Als der Weihnachtsstern danach noch immer nicht in der alten Pracht dastand, beschloss der Junge, ihm noch einen Tag Zeit zu geben. Seinen Eltern erzählte er beim Abendessen, dass er in seinem Zimmer an einem ganz besonderen Weihnachtsgeschenk bastle und dass der Zutritt ins Zimmer bis auf weiteres strengstens untersagt sei. Die Eltern zeigten hierfür Verständnis.

Früh am nächsten Morgen stand der Junge auf, aber enttäuscht stellte er fest, dass sich der Zustand des Weihnachtssternes in keinster Weise gebessert hatte. Die schmutzige Brühe in der Schüssel roch furchtbar. Nach der Schule ging er wieder ans Werk. Aber auch die noch intensivere Behandlung mit zwei Gießkannen half nichts. Der Weihnachtsstern erholte sich nicht mehr, und tags darauf warf ihn der Junge weg und kaufte einen neuen. Nun konnte die Patentante kommen.

Liebe Gemeinde, ich habe das erzählt, weil in uns allen etwas von diesem Jungen steckt. Denn so, wie er mit dem Weihnachtsstern umgeht, tun wir das nicht auch oft mit der Weihnachtsbotschaft? Wir hören sie in jedem Jahr wieder; freuen uns auch jedes Jahr auf sie und doch stellen wir fest, dass - genauso wie der Weihnachtsstern in der Geschichte - auch bei uns die Weihnachtsbotschaft schnell wieder verblasst.

Die Weihnachtsbotschaft - der Friede wird uns da angekündigt, ein wirklicher Friede, der Menschen ohne Streit und böse Gedanken zusammenleben lässt. Von der Liebe Gottes hören wir, die so groß war und ist, dass Gott einer von uns wurde. Hoffnung wird in uns geweckt, dass Gott in die Geschehnisse in dieser Welt eingreifen kann. Aber all dies verblasst in uns, kaum, dass die Feiertage vorbei sind und der Alltag wieder nach uns greift. Nicht, dass wir ungläubige Menschen wären - sonst wären wir heute ja nicht hier. Aber weisen wir unserem Glauben nicht doch sehr oft nur einen Platz am Rande zu? Und stellen ihn ab, so wie der kleine Junge seinen Weihnachtsstern ins Regal stellte?

Was hätten wir dem kleinen Jungen aus der Geschichte geraten? Wir hätten gesagt: Gieße den Weihnachtsstern regelmäßig, das reicht. Und das möchte ich uns allen mit auf den Weg geben: Wir dürfen unseren Weihnachtsstern, unseren Glauben, auch öfter gießen. Wir dürfen auch so leben: Wir dürfen mehr als einmal im Jahr für den Frieden beten und ansonsten zu Unrecht zu schweigen. Wir dürfen mehr als einmal im Jahr Weihnachtsgrüße zu verschicken und einander das Jahr über aus den Augen zu verlieren. Wir dürfen es anders machen und auch das Jahr über daran denken, dass das Kind in der Krippe uns seinen Frieden und seine Liebe geschenkt hat, damit wir Frieden und Liebe weitergeben, wo immer wir mit Menschen zu tun haben. Lasst uns das Jahr über daran denken, dass die zarte Pflanze Friede täglich gepflegt werden will und dass der Friede nur wachsen kann, wo wir sein Wachsen regelmäßig unterstützen. Und lasst uns nicht vergessen, dass die Liebe, durch die Gott uns mit anderen Menschen verbinden will, am besten immer noch dort wächst, wo wir sie regelmäßig an andere Menschen weiterschenken - sich ein einziges Mal im Jahr zum Zeichen der Liebe mit Geschenken zu überhäufen ist genauso wenig sinnvoll, wie die Tatsache, dass der kleine Junge seinen Weihnachtsstern ins Wasserbad stellte.

Und wenn wir mehr als einmal im Jahr nach dem Stern von Bethlehem suchen, dann können wir irgendwann entdecken, wie dieser Stern in unser eigenes Leben hineinstrahlt und nicht mehr untergeht. Amen.