Liebe Gemeinde,

drei Lieder dieses Gottesdienstes hat Sven zusammen mit seinen Eltern ausgesucht, allesamt schöne Lieder, passend zur Taufe eines jungen Menschen und allesamt Lieder aus unserer Zeit.

Es gibt auch alte Tauflieder. Eines davon heißt: “Ich bin getauft auf deinen Namen”. Schon oft haben wir dieses Lied gesungen, aber die Hintergründe dieses Liedes

kennen wohl nur wenige.

Es stammt von einem Mann namens Johann Jakob Rambach, einem Mann mit einem bewegenden Lebensschicksal:

Johann Jakob Rambach wurde 1693 in Halle geboren. Um seinen Eltern, einfachen Handwerkern, nicht auf der Tasche zu liegen, begann er im Betrieb seiner Eltern eine Schreinerlehre, aber nach einer schweren Fußverletzung wurde der Junge von seinen Eltern aufs Gymnasium geschickt – so war das damals. Er lernte gerne. Obwohl er Arzt werden sollte, studierte er Theologie. Danach wurde er Dozent an der Universität Halle und hielt Vorlesungen vor bis zu 500 Studenten.

Rambach war ein gelehrter Mann. Trotzdem hielt er es immer mit den einfachen und kleinen Menschen. Ihm gefiel nicht, dass in der Kirche immer nur die Erwachsenen angesprochen wurden. Und dagegen tat Rambach einiges: Er hielt seine Predigten so, dass sie auch Kinder verstehen konnten. Er schrieb Bücher für Jugendliche. Und die Mädchen und Jungen seiner Zeit, die weder Computer noch Playstation noch Fernsehen kannten, verschlangen diese Bücher mit Begeisterung.

Vor allem dichtete Rambach Lieder, insgesamt 183. Wem es gut geht, der kann leicht schöne Lieder über Gott dichten. Aber Johann Jakob Rambach gehörte nicht zu den Menschen, die auf der Sonnenseite des Lebens standen, im Gegenteil:

Seine Frau hatte schon zwei Kinder tot geboren, auch das dritte Kind lebte nicht mehr, als es zur Welt kam. Die Frau hatte sich bei dieser dritten Geburt so erschöpft, dass auch sie starb. So stand er nun mit 37 Jahren an den Gräbern der Frau und der drei Kinder. Ein Jahr später wechselte er die Stelle und zog nach Gießen. Aber von Anfang an schlug ihm, dem Fremden, bittere Feindschaft entgegen. Er wehrte sich nicht dagegen; statt dessen betete er jeden Tag inständig für die Universität und die Studenten, für die Kirche und die Schule, für die Stadt und das Land. Er hätte drei Jahre später nach Göttingen gehen können, an eine der angesehensten Universitäten seiner Zeit. Aber er lehnte diesen Sprung auf der Karriereleiter ab, weil er wusste: Gott hat mich dorthin gestellt, wo es unbequem ist.

Es kam noch schlimmer: Schwere körperliche Beschwerden traten nun auf. Rambach fühlte, dass er würde sterben müssen, und so zog er Bilanz. Wie hätte unsere Bilanz nach diesen vielen Leidenserfahrungen ausgesehen? Wäre nicht viel Bitterkeit und Hadern aufgetaucht? Bei mir schon.

Aber Rambachs Lebensbilanz ist ein Lied, das er 1735 schrieb, kurz bevor er im Alter von nur 42 Jahren starb. Dieses Lied heißt “Ich bin getauft auf deinen Namen”. Nicht sein großes Leid stellte er in den Mittelpunkt dieses Liedes, sondern den einen Satz: “Ich bin getauft”. Natürlich kommt in dem Lied sein hartes Los zum Vorschein, etwa in der zweiten Strophe, in der es heißt “Du willst in aller Not und Pein, o guter Geist, mein Tröster sein.” Das zeigt, dass wir Christen eines ganz bestimmt dürfen: Gott unser Leid klagen.

Aber allem Leid zum Trotz richtete Johann Jakob Rambach am Ende eines schweren Lebens seinen Blick zu Gott: “Ich bin getauft auf deinen Namen”. Getauft sein heißt: Ich weiß, wohin ich kann mit meinen Nöten und Sorgen, mit Leid und Verzweiflung. Gott kann mein Leid zwar nicht rückgängig machen, aber er hört mir zu in meiner Not.

Wie schafft man das, so viel Gottvertrauen wie Johann Jakob Rambach zu haben?

Ich glaube, in diesem Lied kommt zwischen den Zeilen immer wieder ein Wörtchen zum Vorschein: “dennoch”. Ich habe viel Leid erfahren – dennoch bleibt mein Leben lebenswert. Die liebsten Menschen wurden mir genommen – dennoch bin ich gewiss, dass Gott an mir festhält. Ich habe nur wenige Freunde – dennoch gebe ich Gottes Liebe an alle weiter. Dieses Wort "dennoch" ist eine der Grundlagen unseres Glaubens. Es bewahrt uns davor, bei Rückschlägen aufzugeben, und es schenkt uns die Kraft, auch in der tiefsten Not den Blick auf Gott zu richten und uns ihm anzuvertrauen.

So heißt Taufe also, dass wir uns von Jesus erinnern lassen daran, dass Gott uns Menschen festhält und auch dort trägt, wo wir am Verzweifeln sind. Grund genug, Johann Jakob Rambach und seinem Tauflied eine Predigt zu widmen.

Amen.