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Liebe Gemeinde,

dieser 3. Passionssonntag fragt: Wie schaffe ich es, als Christ zu leben, also als einer, der so lebt, wie Jesus es wollte? – In der Schriftlesung haben wir gehört: „Lebe so, dass man auch in deinem Leben den Glanz Jesu durchscheinen sieht.“

Nun gehört zum Christ-Sein natürlich auch, dass wir überhaupt

an Gott glauben. Das fällt heute gar nicht mehr so leicht. Für unsere Vorfahren war noch klar: wir Menschen auf Erden und Gott im Himmel. Aber wir heute brauchen für fast alles Beweise, alles muss dokumentiert sein, was wir glauben sollen. Doch Gott lässt sich weder beweisen noch dokumentieren.

Dass Gott uns begegnet, niemand von uns würde damit rechnen. Doch genau das ist vor vielen tausend Jahren geschehen:

Damals war Mose vor dem Pharao geflohen. Die Flucht führte ihn auf die Sinai-Halbinsel. Sicher dachte er oft an Ägypten, an seine versklavten israelitischen Landsleute. Und wahrscheinlich auch an seine Mutter, die ihm von klein auf davon erzählt hatte, wie Gott den Vorfahren Abraham, Isaak, Jakob und Josef immer wieder geholfen hatte.

Aber das lag in einer fernen Vergangenheit, so fern wie jener Gott – und hier war er, Mose, alleine, ein Fremdling ohne Zukunft, von Gott verlassen. So dachte und fühlte Mose, bis eines Tages etwas ganz Seltsames geschah, von dem die Bibel uns im 2. Mosebuch folgendes erzählt:

Mose aber hütete die Schafe und kam an den Berg Gottes. Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.

Mose sprach: „Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen.“ Da rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: „Mose, Mose!“ Er antwortete: „Hier bin ich.“

Gott sprach: „Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.

Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt.“ Und Gott sprach: Ich will mit dir sein.

Was da erzählt wird, gehört mit zum Faszinierendsten, das die Bibel zu bieten hat. In der leblosen Wüste lässt ein brennender Dornbusch den Mose aufmerksam werden. Neugierig geht er hin, und ihm begegnet Gott. Aber Gott erscheint ihm nicht, um ihm zu sagen: „Schau her, mich gibt’s tatsächlich.“ Sondern mit dem Erscheinen Gottes beginnt die Rettung des Volkes Israel, und viele Jahre später wird Gott die Israeliten ins gelobte Land der Verheißung führen und sein Versprechen erfüllen, das er an jenem Tag in der Wüste dem Mose gegeben hat.

Mit dieser Geschichte erfahren wir viel über Gott:

„Ich habe das Elend meines Volkes gesehen, ihr Geschrei gehört und ihr Leiden erkannt“, sagt Gott. Das heißt: Gott ist keiner, der im Himmel sitzt und uns dem irdischen Geschehen ausliefert. Gott sind wir Menschen nicht egal - Gott weiß, wie es seinen Geschöpfen geht, wo laute und leise Tränen geweint werden und wo Menschen Hilfe herbeisehnen. Und Gott sieht das nicht nur, sondern er tut auch etwas, um seinen Menschen zu helfen. Deshalb sagt er zu Mose: „Ich bin hernieder gefahren, um mein Volk zu erretten.“

Was für ein wunderbarer Gott: einer, der mitleidet, der den Menschen nahekommt und seine Geschöpfe retten kann! Für uns mag das selbstverständlich sein, aber damals hatten die Menschen ein ganz anderes Gottes- und Götterbild: die Gottheiten in ihrer Sphäre, und unten auf der Erde die Menschen, die ab und zu herhalten mussten als Spielbälle der Gottheiten. Ganz anders unser Gott, auf dessen Namen wir getauft sind und auf dessen Wirken wir heute noch bauen dürfen.

Und das, obwohl wir manches Mal daran zweifeln; obwohl wir manches Mal fragen, ob es diesen Gott in unserem Leben auch gibt. Es gibt keinen Glaubenden, der nicht schon von Zweifeln heimgesucht worden wäre – und genau da kann die Geschichte vom brennenden Dornbusch uns so sehr helfen.

„Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“, hat Gott damals gesagt. Heute würde das heißen: „Ich bin der Gott deiner Vorfahren. Ich bin der, der sie gesegnet und ihr Leben lang begleitet hat.“ Gott würde uns also in die Vergangenheit weisen: „Schau hin, wie viele Spuren von mir du findest.“ Und in unserer eigenen Vergangenheit, finden wir da nicht auch viele Spuren von Gottes Wirken? Spuren von Segen und Bewahrung? von Gottes Geist des Trostes und von neuem Lebensmut?

Eigentlich schon. Und trotzdem bleiben noch Zweifel, trotzdem kommt uns oft ein „Ja, aber“ über die Lippen. Gott wird uns ein Aber nicht übelnehmen. So wie er auch Mose die ständigen Einwände, die ständigen Abers nicht übelgenommen hat.

Und wie bei Mose lenkt Gott auch unseren Blick in die Zukunft: „Ich werde mein Volk erretten“, hat Gott damals gesagt. „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“, sagt uns Jesus heute. Das großartigste Versprechen der ganzen Bibel ist das. Wir müssen nichts dafür tun, nur vertrauen. „Nur vertrauen“ – das klingt um so vieles leichter als es in Wirklichkeit ist. Aber dieser Vertrauensvorschuss, der gehört zum Glauben, der gehört zum Leben eines Christen dazu. Das mit dem Gottvertrauen fällt uns vielleicht leichter, wenn wir uns wie Mose immer wieder daran erinnern lassen, wie viel Segensreiches, wie viel Gutes dieser Gott schon in unserem Leben gewirkt hat. Bis heute steht Gottes Einladung: „Vertraue mir. Ich will dich segnen, begleiten und wo es dir schlecht geht, dich aus deinen Nöten erretten.“

Mose hat sie angenommen, diese Einladung, und hat Rettung und Befreiung erlebt. Anderthalb Jahrtausende später sind die Jüngerinnen und Jünger Jesu Einladung gefolgt und haben Gott gefunden. Und nun, wieder 2000 Jahre später, sind wir es selbst. Wir sind eingeladen, uns auf den Weg mit Gott zu begeben, jeden Tag aufs Neue. „Es ist ein Weg ins Ungewisse“, sagt unser Verstand. „Das stimmt“, antwortet die Bibel, „aber keinen von denen, die ihm nachgefolgt sind, hat unser Herr jemals im Stich gelassen.“ Amen.