Liebe Ostergemeinde,

was wäre Ostern ohne Ostereier? Vielen würde etwas Wichtiges fehlen. Aber hat das Osterei überhaupt etwas mit dem zu tun, worum es an Ostern geht, mit Jesu Auferstehung?

Ich meine, dass das Osterei für uns ein Gleichnis

für das sein kann, was das bedeutet - die Auferstehung von den Toten.

Wenn wir ein normales Ei sehen, sehen wir nur das Äußere, die Schale. Sie ist hart und zerbrechlich zugleich. So ist es auch mit unserem Leben. Auch wir geben uns manchmal hart, zeigen nur unser Äußeres. Und wir tun alles, um unser Leben lange intakt zu halten. Aber es ist zerbrechlich - wie eine Eierschale. Und es wird, wie die Eierschale, mit der Zeit zerbrechen.

Wenn eine Henne ein Ei ausbrütet, dann sehen wir zunächst auch nur die Schale des Eies. Aber im Inneren der Schale entsteht neues Leben. Auch Jesus war in einer solchen Schale: Drei Tage lang lag er in dem Felsengrab. Aber dann öffnete sich der Stein und Jesus erwachte zu einem neuen, unzerstörbaren Leben.

Ich glaube, dass es mit unserem irdischen Leben so ähnlich ist wie mit der Eierschale: Es ist nur die vorläufige Gestalt dessen, wozu Gott uns bestimmt hat. Unsere Bestimmung ist das ewige Leben bei Gott; aber um dorthin zu kommen, müssen wir die Schale erst loswerden. Dies geschieht, wenn wir sterben.

Viele von uns haben erleben müssen, wie ein lieber Mensch durch den Tod von ihnen genommen wurde. Da haben wir Abschied genommen von dem Toten, haben seinen Körper ins Grab gelegt. Aber so sehr das schmerzte, es war nur der Körper, die Schale, die wir hergeben mussten.

Unsere Verstorbenen, die liegen nicht in diesen Gräbern. Die Menschen, um die wir trauen und die wir vermissen - sie ruhen in Gottes Hand, und Gott wird sie zu einem neuen, unvergänglichen Leben erwecken, so wie er Jesus zum neuen Leben erweckt hat.

Auf diese Weise hält uns in diesem Jahr das Osterei eine wunderbare und trostvolle Osterpredigt. Es sagt uns: Alles, was du hier erlebst und erleidest - es ist nur etwas Vorläufiges. Deine wahre Bestimmung, du lieber Mensch, ist das unzerstörbare Leben in Gottes Hand. Und dort, in Gottes Hand, findest du auch die Menschen, die du jetzt so sehr vermisst.

Amen.