Liebe Gemeinde,

im Eingangspsalm haben wir gebetet: "Der Herr ist mein Hirte." So schön das Bild von dem guten Hirten ist, wir freunden uns nicht so leicht damit an, dass uns da einer führen will. Denn wir wollen unsere Wege selbständig gehen und auch keine Herdentiere sein. Wir sind Individuen, einzelne, eigene Personen – keine

Massenwesen, wie wir sie in einer Schafherde finden. Daher heute sagt vielen Menschen das Bild vom Hirten nur noch wenig.

Dabei war in den ersten Jahrhunderten der Christenheit der gute Hirte ein noch wichtigeres Symbol als das Kreuz! Wer schon einmal in den Katakomben in Rom unterwegs war, der weiß es: In diesen unterirdischen Höhlengängen aus den ersten christlichen Jahrhunderten stößt man immer wieder auf beeindruckende Darstellungen von Jesus als dem guten Hirten.

Warum war das den Menschen damals so wichtig?

Nun, der Hirte ist eines der uns am vertrautesten Bilder für Gott, schon aus der alttestamentlichen Zeit. Damals, in Israel, sollten die Könige genau das sein: Hirten ihres Volkes, doch sie versagten kläglich. Propheten mahnten die Ungerechtigkeiten an, wenn die Mächtigen ihre eigenen Taschen vollstopften oder das Recht beugten, wie es ihnen in den Kram passte.

Dann aber, nach Jahrhunderten endlich, kam der von Gott gesandte Retter, der von sich sagen konnte: Der GUTE Hirte, schaut her, das bin ich. Beim Evangelisten Johannes lesen wir:

Und Jesus sprach: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.

Da kommt ein Wort vor, das sagt uns zunächst einmal nichts: der „Mietling“. Was ist ein Mietling? Damals gab es wenige Hirten, so stellte man Menschen ein, die gegen Bezahlung einen Hirtendienst übernahmen, eben die „Mietlinge“. Denen ging es aber nicht um das Wohl der Schafe, sondern allein um ihren Lohn. Und wenn es schwierig wurde, ließen sie die Herde im Stich.

Wenn Jesus damals von Mietlingen sprach, dann hatte er sicherlich die Oberen seiner Zeit im Blick – die von den Römern eingesetzten Fürsten, die sich am Volk bereicherten, genauso wie die geistliche Oberschicht, die sich weit vom Volk entfernt hatte.

Mietlinge, die gibt es auch heute noch: Diktatoren, die sich an den Staatsfinanzen bereichern und gleichzeitig ihr eigene Volk hungern lassen; Politiker, die in allem unterschiedlicher Meinung sind, beim Thema Diätenerhöhung aber einstimmig votieren; Firmen-Manager, die Wahnsinns-Gehälter beziehen; Kommunalpolitiker, die nicht den Dienst an der Allgemeinheit tun, sondern vor allem dem eigenen Ego dienen.

Auch Ihr Jugendlichen lauft Gefahr, euch Mietlingen anzuvertrauen: einigen You-Tubern zum Beispiel, Influencern, denen ihr selbst ziemlich egal seid und die euch nur brauchen, um auf ihre Klicks zu kommen: Wenn es hart auf hart kommt, dann helfen die You-Tuber euch nicht. Die kennen euch nicht einmal.

Was für ein anderer Hirte ist da der, auf dessen Namen wir getauft sind, nämlich Jesus. Wir hören einmal hin, was Jesus noch gesagt hat:

Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

Ein Hirte, der sein Leben für die Schafe lässt; ein Hirte, der sich opfert und sich allen Wölfen dieser Welt entgegenwerfen würde, wenn es sein müsste. Einer, der sich für die Herde – für uns – geopfert hat am Kreuz. Dem dürfen, dem sollen wir nachfolgen. Ob uns das Leben auf eine grüne Aue führt oder in ein finsteres Tal, wir sind nicht alleine, er steht an unserer Seite.

Jesus hat damals noch etwas Wichtiges gesagt: Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

Jesus sagt hier: „Mir geht es nicht nur um die, die sich zu mir bekennen. Ich bin auch da für die, die nur auf dem Papier als Christen registriert sind; auch für die, die nicht an mich glauben oder glauben können; auch für die mit einer anderen Religion.“ - Die alle sind Menschen, für die Jesus auch da ist und für die wir beten und um deren Wohlergehen wir uns kümmern sollen. So gibt es auf der ganzen Erde nicht ein Menschenschicksal, angesichts dessen Jesus sagen würde: „Dafür bin ich nicht zuständig.“

Und so lasst auch uns nicht aufhören, anderen Menschen von Jesus zu erzählen und die große Einladung weiterzusagen an die, mit denen wir zusammenkommen in unserer Familie, an unseren Arbeitsplätzen, in unseren Schulklassen und in unserer Freizeit.

Ein Leben lang begleitet uns der gute Hirte – durch Höhen und Tiefen. Und auch, was nach unserem Erden-Leben kommt, hatte Jesus im Blick, als er sagte: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“

Nichts kann uns aus seiner Hand reißen, nichts – Gott sei Dank!

Amen.