Liebe Gemeinde, und ganz besonders:

liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

worüber soll ich predigen an der Konfirmation? Jedes Jahr die gleiche Frage. Da saß ich nun also diese Woche abends draußen, dachte über Euch nach, über die Konfirmation – und plötzlich

fliegt an mir ein Tier mit hoher Geschwindigkeit vorbei – kein Vogel, sondern eine Fledermaus. Ich habe gewartet, ob die Fledermaus noch einmal vorbeifliegt. Das hat sie aber nicht getan, und da ist mir eine Geschichte eingefallen, die wahrscheinlich einige schon einmal gehört haben – ich will sie aber trotzdem erzählen:

Ein Pfarrer ist gezeichnet von tiefen Sorgenfalten. Was bedrückt dich, lieber Bruder?" fragt ein Kollege. Der erste stöhnt und sagt: "In meinem Kirchturm sind Hunderte von Fledermäusen, und egal, was ich probiere, ich werde sie nicht los." Der andere Pfarrer lacht: "Dieses Problem hatte ich auch, aber dann bin ich sie doch losgeworden." Verwundert fragt der erste: "Und wie hast du das geschafft?" Der Kollege antwortet: "Ganz einfach. Ich habe sie getauft und konfirmiert - die kommen nie wieder."

Liebe Konfirmanden, hoffentlich ist es euch in eurer Konfirmandenzeit besser ergangen als den Fledermäusen; hoffentlich hat euch die Konfirmandenzeit nicht so abgeschreckt, dass ihr nie wieder zur Kirche kommen wollt.

Klar ist: Nie mehr werdet ihr alle miteinander Gottesdienst feiern. Aber ich hoffe, dass ihr heute nicht so von Fluchtgedanken gepackt seid wie die Fledermäuse. Sonst wäre der Konfirmandenunterricht für euch eine kalte Dusche gewesen, die heute endlich ein Ende hat. Und wer würde freiwillig an einen so unangenehmen Ort zurückkehren?

Um das Zurückkehren ging es bei einigen Geschichten aus der Bibel, die wir miteinander gelesen haben. Eine davon ist die vom verlorenen Sohn. Der war auch ausgeflogen, hat sich dann aber auf den Rückweg gemacht, und zu Hause stand ihm die Tür weit offen. Oder denkt an die Geschichte vom Zöllner Zachäus: Der war ein übler Betrüger, trotzdem hat ihn Jesus eingeladen, umzukehren von den falschen Wegen und ein neues Leben anzufangen. Warum? Weil Gott will, dass niemals ein Mensch irgendwo rausfliegt. Gott will alle dabei haben - auch die, die irgendwann zu ihm Nein gesagt haben, dürfen jederzeit zu ihm zurückkehren.

Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel. Wichtig ist, dass wir den roten Faden der Bibel nicht vergessen. Der heißt: Gott wirft dich nie hinaus; selbst wenn du ihm den Rücken zugekehrt hast - du darfst wieder zu ihm zurückkommen.

Bei Gott wird es uns nicht so gehen wie den Fledermäusen. Nie wird Gott uns aus seiner Nähe vertreiben, denn Gott hat von Beginn unseres Lebens an Ja zu uns gesagt. Bei eurer Taufe wurde das euren Eltern und Paten gesagt - heute könnt ihr es selbst verstehen: Gott sagt Ja zu euch, ohne Wenn und Aber.

Dies ist wichtig nicht nur für euch, sondern auch für uns Ältere: Einige unter uns haben ihre Konfirmandenzeit tatsächlich als Zwang erlebt und danach die Kirche gemieden wie die Fledermäuse den Kirchturm. Aber wie weit auch immer wir uns von Gott entfernen - der Weg zurück zu Gott ist nur ein winziger kleiner Schritt: ein kurzes Gebet, ein Stoßseufzer "Lieber Gott, fang neu mit mir an" - und dann kann wirklich etwas Neues anfangen im Leben. Jung und Alt: wir dürfen neu anfangen mit Gott, wann immer wir wollen, denn Gott sagt Ja zu uns.

Dass jemand Ja zu euch sagt, dass jemand zu euch steht, auch wenn ihr etwas ausgefressen habt, das habt ihr auch mit euren Eltern erfahren. Klar, ihr seid in einem Alter, in dem eure Eltern nicht mehr alles gutheißen, was ihr so sagt und treibt. Aber ich bin überzeugt, dass eure Eltern hinter euch stehen, dass sie zu euch halten und immer neu mit euch anfangen, auch dann, wenn ihr es ihnen schwermacht. Denkt heute auch an eure Eltern. Ohne sie gäbe es euch nicht; wenn sie euch nicht vom Babyalter an ihre Liebe geschenkt hätten, wenn sie euch nicht gewickelt und gewaschen, durch die Tage und oft auch Nächte getragen hätten, wenn eure Eltern nicht für euch da gewesen wären, dann könntet ihr nie leben, lieben und empfinden.

Eure Eltern haben Ja gesagt zu euch, Gott hat zu euch Ja gesagt, und heute sagt ihr selbst Ja: zu einem Leben, in dem Gott und die Mitmenschen wichtig sind. Für dieses Leben, das für euch Gutes und Schweres mit sich bringen wird, bitten wir Gott, dass er euch nicht alleine lässt, dass er euch segnet, für eure jungen Jahre und für eure Lebenszeit.

Und vergesst es nie: Eure gesegneten Wege dürfen immer hierher zurückführen: in die Kirche, in die Gemeinde, und vor allem zurück zu Gott. Ihr dürft immer wieder zurückkommen, denn ihr seid schließlich keine Fledermäuse.

Amen.