Liebe Gemeinde, und vor allem: liebe Jubilar/inn/en,

es sind sicherlich zwiespältige Gefühle, die für Sie mit diesem Tag verbunden sind:

Da sind zum einen die angenehmen Gefühle: die Freude über das Wiedersehen mit den Mitkonfirmierten, Dankbarkeit für schöne und gute Jahre, die seither vergangen sind. Aber Sie spüren heute auch Anderes:

Wehmut angesichts der Tatsache, dass diese Zeiten unwiederbringlich vorbei sind; und die Erinnerung an Mitkonfirmierte, die diesen Tag nicht mehr erleben dürfen.

So macht dieser Tag Sie vielleicht gleichzeitig wehmütig und dankbar. Die Wehmut soll aber nicht mehr Platz bekommen, als ihr gebührt. Denn es ist ja ein Freudentag heute, und zu diesem Tag gehört auch das Sich-Erinnern:

1949, liebe Gnaden-Jubilare, wurden Sie von Pfr. Fath konfirmiert. Als Kinder hatten sie den Krieg miterlebt, eine Mitschülerin war bei einem Fliegerangriff ums Leben gekommen. Sie mussten in Ihrer Konfirmandenzeit viel lernen, und vieles ist Ihnen haften geblieben.

1954, da waren Sie, liebe Eisernen Jubilare, der erste Jahrgang in der renovierten Kirche. Und die haben sie zur Konfirmation geputzt, unter den wachsamen Augen des Gendarms, Schwester Julien, und der gütigen Schwester Marie. Und ein Vierteljahr später haben Sie ein richtig großes Wunder mitbekommen, vor allem die Buben: das Wunder von Bern.

Die Diamantenen Jubilare wurden im Jahr 1959 konfirmiert. Mit 15 Konfirmanden ein sehr kleiner Jahrgang, was niemanden wundert – in den letzten Kriegsjahren hat man es sich zwei Mal überlegt, ob man Kinder in die vom Krieg und Naziterror erschütterte Welt setzen will.

Mehr als doppelt so groß war 1969 Ihr Jahrgang, liebe Gold-Konfirmanden. Bei Ihnen war einiges geboten, zum Beispiel eine Freizeit am Bodensee mit Pfarrer Wölfle. Aufbruchstimmung herrschte im Dorf, auch hier blieben die 68er Jahre nicht ohne Wirkung. Die Große Koalition brach auseinander – ob sich das alle 50 Jahre wiederholt?

Noch einmal 25 Jahre später, 1994, kamen Sie, liebe Silber-Konfirmanden: 13 Jungs und 14 Mädchen. Frau Eichhorn ging mit Ihnen zur Konfirmandenfreizeit auf die Brandmatt. Dort haben Sie miteinander geredet, gespielt, Blödsinn gemacht – Handys waren noch teuer und riesig, die hatten damals nur einige wenige Erwachsene.

So viel zum Rückblick, und da erinnern wir uns also an dies und vieles mehr und stellen fest: Ganz schnell ist die Zeit vergangen und vieles, vieles hat sich verändert. Was Ihren Kindern und Enkelkindern heute selbstverständlich ist – Handy, Computer, iPod -, das gab es damals noch nicht. Es war, vor allem bei den älteren unter Ihnen, eine viel ärmere Zeit.

Und doch hat diese Zeit Sie vielleicht reicher gemacht als die heutigen Kinder und Jugendlichen es jemals sein werden: Sie haben in Ihrer Jugendzeit wesentlich mehr geistliche Nahrung mitbekommen als das heute der Fall ist.

Sie aber haben in Ihrer Konfirmandenzeit einen Schatz entdecken und auf Ihre Lebensreise mitnehmen können, nämlich den Glauben an Jesus Christus und an seine Verheißungen, wie sie uns in der Bibel begegnen.

Zu diesen Schätzen gehören ganz bestimmt auch die Lieder, die Sie in Ihrer Konfirmandenzeit gelernt haben. Ich glaube nicht, dass Sie mit Begeisterung auswendig gelernt haben. Aber dieses Auswendiglernen bringt es mit sich, dass einem in dieser oder jener Lebenssituation ganz plötzlich und von allein ein Lied durch den Kopf geht: An einem Tag des Glückes war es vielleicht „Nun danket alle Gott“ oder „Lobe den Herren“; an einem Tag der Trauer war es vielleicht „Befiehl du deine Wege“ oder „Jesus, meine Zuversicht“.

Wenn das Wort Gottes das Brot des Lebens ist, dann sind Lieder wahrscheinlich das Wasser des Lebens: Sie erfrischen uns, geben uns neue Kraft, trösten in schweren Stunden, stillen unseren Durst nach Lebensfülle. 

Diesen kostbaren Schatz haben Sie aus Ihrer Konfirmandenzeit mitgenommen in Ihr weiteres Leben, und zu diesem Schatz gehört auch die Gewissheit, dass Gott uns nicht alleine lässt. Von Kindheitstagen an hat Gott uns begleitet mitseinem Segen, unter diesem Segen haben Sie Ihr Leben bisher gestaltet, und so dürfen wir Gott auch weiterhin bitten: „Herr, wir bitten: Komm und segne uns“.

Amen.