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Liebe Gemeinde, ganz besonders liebe Konfirmanden,

damit ein Pfarrer nicht jeden Sonntag das Gleiche predigt, ist für jeden Sonntag ein anderer Bibeltext vorgegeben. Der für heute passt ganz gut und

steht im Lukasevangelium, in dem Jesus folgendes Gleichnis erzählte:

Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: „Kommt, denn es ist alles bereit!“

Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: „Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.“ Und der zweite sprach: „Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.“ Und der dritte sprach: „Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen.“

Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: „Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein.“ Und der Knecht sprach: „Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da.“

Und der Herr sprach zu dem Knecht: „Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.“

Dass in diesem Gleichnis mit dem Menschen, der die Einladungen ausspricht, Gott gemeint ist, ist klar. Die anderen, die im Gleichnis vorkommen - das sind wir Menschen. Aber mit welcher der Personen, die hier auftauchen, sind wohl wir gemeint? Mit denjenigen, die die Einladung missachten? Oder mit denen, die am Ende mit dabei sitzen am großen Tisch?

Auf jeden Fall sind wir heute Morgen alle mit dabei. Ihr acht jungen Menschen habt im Mai die Einladung zur Konfirmandenanmeldung bekommen und seid der Einladung nachgekommen, deshalb seid ihr hier.

Und das freut nicht nur uns Verantwortliche in der Gemeindeleitung; ich denke, dass es auch dem lieben Gott gefällt, dass ihr euch heute in dem Haus versammelt habt, das seinem Namen geweiht ist.

Wir werden im Lauf unserer Zeit immer wieder in der Bibel lesen, und immer wieder werden wir diesen Grundgedanken der biblischen Geschichte finden: Gott lädt Menschen ein, Gott will Menschen in seinen Dienst nehmen. Wir sind ALLE eingeladen, wir sind ALLE willkommen, kurzum: Gott will uns dabeihaben.

Denn wir Menschen sind Gott wichtig von klein auf. Auch wenn es fast 8 Milliarden von uns gibt, jeder und jede Einzelne ist für Gott ungemein wertvoll. Und von Jesus berichten die Evangelien, dass er das immer genau so gehalten hat: die Kleinen, die Kinder, die waren bei ihm ganz groß; die fragwürdigen Gestalten, die schon eine Menge ausgefressen hatten, die hat er an seinen Tisch eingeladen; und ob jemand arm war oder reich, hat für Jesus nie eine Rolle gespielt, ihm war jeder Mensch wichtig.

So hat Jesus genau das gelebt, was in der Bibel wie ein roter Faden durchläuft: Gott will uns alle dabeihaben, denn er braucht uns. Gott sitzt ja nicht im Himmel an einem großen Computer und schaltet im einen Land auf Frieden, im nächsten auf Gerechtigkeit. Nein, es ist vielmehr so: Damit Gottes Wille auf Erden geschehen kann, braucht es Menschen, die Gottes Willen tun und andere dazu bewegen, es auch zu tun. Dazu muss man übrigens nicht volljährig sein. Gott braucht euch Kinder und Jugendliche genauso wie uns Erwachsene.

Deshalb heißt die Konfirmandenzeit, dass wir unser eigenes Leben, das Miteinander in unserer Gruppe und auch in unseren anderen Lebensfeldern so zu gestalten versuchen, wie Jesus das wollte. Und weil Jesus uns also braucht, heißt das Motto unseres neuen Konfirmandenjahrganges: „Christus hat keine Hände, nur unsere Hände.“

Das ist auch der Titel eines schönen, fast 700 Jahre alten Textes mit folgendem Wortlaut:

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände,

um seine Arbeit heute zu tun.

Er hat keine Füße, nur unsere Füße,

um Menschen auf seinen Weg zu führen.

Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen,

um Menschen von ihm zu erzählen.

Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe,

um Menschen an seine Seite zu bringen.

Wir sind die einzige Bibel,

die die Öffentlichkeit noch liest.

Wir sind Gottes letzte Botschaft,

in Taten und Worten geschrieben.

„Christus hat keine Hände, nur unsere Hände.“ Unter diesem Motto steht unsere Konfirmandenzeit – und wir werden immer wieder unsere Hände brauchen in unserer Konfirmandenzeit, und das am allerwenigsten zum Schreiben…

So dürfen wir Gott bitten um seinen Segen für die Konfirmandenzeit und dafür, dass er uns, eure Familien und uns alle wohlbehalten durchführen wird durch die nächsten Monate.

Amen.