Liebe Gemeinde,

jedes Mal, wenn ich freitags im Kindergarten bin, also bei euch, Henri, und die Kinder frage, was sie singen wollen, dann rufen sie: „Volltreffer!“ Die Kinder mögen dieses Lied zum einen wegen der eingänglichen Melodie; zum anderen deshalb, weil sie sich gegenseitig

zusingen dürfen: „Wunderbar bist du gemacht.“ Und dabei deuten sie jeweils aufeinander.

Würde sich das jemand von euch Jugendlichen, von uns Erwachsenen trauen? Dem Menschen, der neben dir sitzt, sagen: „Du bist ein Volltreffer Gottes“? Ja, eigentlich müsste jeder und jede von uns sich jeden Morgen vor den Spiegel stellen und zu sich sagen: „Ich bin ein Volltreffer Gottes.“ Wer traut sich das schon?

Aber es stimmt doch. Gott hat uns gewollt, so wie wir sind. Und deshalb sind wir Gottes Volltreffer – auch mit zu viel Pfunden, auch mit zu wenig Haaren, auch mit dicken Pickeln, auch mit tiefen Falten – mit all unseren Beschränkungen. Sie und ihr und ich – wir sind von Gott gewollt.

Und weil wir Volltreffer Gottes sind, dürfen wir alle uns von Henris Taufspruch aus dem 2. Timotheus leiten lassen. Der heißt: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Es sind heute viele Eltern von Kindern da. Bitte, bitte, orientiert euch an diesem Bibelwort. Sagt euren Kindern, dass sie nichts und niemanden fürchten müssen, und bittet Gott, dass Gott euch dabei hilft, eure Kinder groß werden zu lassen im Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Uns allen gilt das: Lasst euch nicht von der Furcht unterkriegen. Hört nicht auf die Angstmacher. Und macht euch nicht klein vor anderen Menschen. Ihr seid Gottes geliebte Geschöpfe, durch Gottes Geist befähigt zu Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Auch für Leonard haben seine Eltern einen schönen Taufspruch ausgewählt. Der steht im 4. Mosebuch und heißt: „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“

Gesegnet, geborgen leben – im wunderschön renovierten Haus in der Karlstraße dürfen das eure beiden Kinder, liebe Taufeltern. Sie haben dort ein Nest, das sie in sicher und behütet aufwachsen lässt. Dass wir gesegnet und geborgen leben – das verspricht Gott auch uns Anderen. Deshalb dürfen wir alle – Klein und Groß – in die neue Woche, in unseren Alltag gehen mit dem Wissen, dass Gott mit uns ist: mit Henri auf dem Weg zum Kindergarten, mit Leonard beim Spielen, genauso wie mit dem alten Menschen, der eine Augen-OP vor sich hat, und dem Schüler, der nächste Woche eine Mathearbeit schreibt und der Angestellten, die sich vor der neuen Arbeitswoche und der heimtückischen Kollegin fürchtet.

Lassen wir es auch andere spüren, dass sie Volltreffer Gottes sind und angstfrei durch das Leben gehen dürfen – diese gute Botschaft darf sich ausbreiten wie die Kreise, die ein Stein zieht, der ins Wasser fällt.

Amen.